<?xml 
version="1.0" encoding="utf-8"?><?xml-stylesheet title="XSL formatting" type="text/xsl" href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?page=backend.xslt" ?>
<rss version="2.0" 
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
>

<channel xml:lang="fr">
	<title>Rhuthmos</title>
	<link>https://www.rhuthmos.eu/</link>
	<description></description>
	<language>fr</language>
	<generator>SPIP - www.spip.net</generator>
	<atom:link href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend" rel="self" type="application/rss+xml" />

	<image>
		<title>Rhuthmos</title>
		<url>https://www.rhuthmos.eu/local/cache-vignettes/L101xH101/favico-9e775.png?1711303950</url>
		<link>https://www.rhuthmos.eu/</link>
		<height>101</height>
		<width>101</width>
	</image>



<item xml:lang="fr">
		<title>Zeitatomistik und &#8222;Wille zur Macht&#8220;. Ann&#228;herungen an Nietzsche &#8211; Rhythmus
</title>
		<link>https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article1417</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article1417</guid>
		<dc:date>2016-11-06T05:00:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>fr</dc:language>
		<dc:creator>Cathrin Nielsen
</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Ce texte est une section du livre de C. Nielsen, Zeitatomistik und &#8220;Wille zur Macht&#8221;. Ann&#228;herungen an Nietzsche, T&#252;bingen, Attempto, 2014, 134 S. Nous remercions chaleureusement Cathrin Nielsen de nous avoir autoris&#233; &#224; le reproduire ici. Das griechische Wort rhythmos bedeutet zun&#228;chst, &#228;hnlich wie schema und tropos, lediglich das Moment der Distinktion und impliziert darin so etwas wie die Abstandnahme einer einf&#246;rmigen Bewegung von sich selbst. Erst Platon verbindet ihn mit dem Ma&#223; (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?rubrique25" rel="directory"&gt;Philosophie &#8211; Nouvel article
&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Ce texte est une section du livre de C. Nielsen, &lt;/i&gt; Zeitatomistik und &#8220;Wille zur Macht&#8221;. Ann&#228;herungen an Nietzsche, &lt;i&gt;T&#252;bingen, Attempto, 2014, 134 S. Nous remercions chaleureusement Cathrin Nielsen de nous avoir autoris&#233; &#224; le reproduire ici.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_2151 spip_document spip_documents spip_document_file spip_documents_left spip_document_left spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;15&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt;
&lt;a href='https://www.rhuthmos.eu/IMG/pdf/cathrin_nielsen_zeitatomistik_kap_rhythmus.pdf' class=&#034; spip_doc_lien&#034; title='PDF - 205.8 kio' type=&#034;application/pdf&#034;&gt;&lt;img src='https://www.rhuthmos.eu/local/cache-vignettes/L64xH64/pdf-b8aed.svg?1779450480' width='64' height='64' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_descriptif crayon document-descriptif-2151 '&gt;Kap. Rhythmus
&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Das griechische Wort &lt;i&gt;rhythmos &lt;/i&gt; bedeutet zun&#228;chst, &#228;hnlich wie &lt;i&gt;schema &lt;/i&gt; und &lt;i&gt;tropos&lt;/i&gt;, lediglich das Moment der Distinktion und impliziert darin so etwas wie die
Abstandnahme einer einf&#246;rmigen Bewegung von sich selbst. Erst Platon verbindet ihn mit dem Ma&#223; der Bewegung und stellt ihn damit implizit in den Zusammenhang
von Raum und Zeit, wenn er etwa &#8222;der Anordnung der Bewegung&#8220; &lt;i&gt;(te tes kineseos taxei)&lt;/i&gt; den Namen Rhythmus zuspricht (Legg. 664&lt;sup class=&#034;typo_exposants&#034;&gt;e&lt;/sup&gt; ff.). Aristoteles schreibt in einer kleinen Abhandlung &#252;ber die Erm&#252;dung, jeder Rhythmus erhalte &#8222;durch eine bestimmte Bewegung sein Ma&#223;&#8220;. Und in der Zeitabhandlung seiner &lt;i&gt;Physik &lt;/i&gt; hei&#223;t es : &#8222;Wir messen nicht allein die Bewegung an der Zeit, sondern auch die Zeit an der Bewegung, denn beide bestimmen sich gegenseitig.&#8220; [...]&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="fr">
		<title>Nietzsche und die Musik
</title>
		<link>https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article195</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article195</guid>
		<dc:date>2016-11-05T09:00:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>fr</dc:language>
		<dc:creator>Cathrin Nielsen
</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Cet article a d&#233;j&#224; paru dans Beitr&#228;ge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 8 (2007), Heft 3. Nous remercions Cathrin Nielsen de nous voir permis de la reproduire ici. Im Oktober 1887, also knapp zwei Jahre vor seinem geistigen Zusammenbruch, schreibt Nietzsche an Hermann Levi in M&#252;nchen : &#8222;Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade im Grund so sehr Musiker war, wie ich es bin&#8220; . Wenig sp&#228;ter vertraut er seinem engen Freund Heinrich K&#246;selitz alias Peter Gast an (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?rubrique25" rel="directory"&gt;Philosophie &#8211; Nouvel article
&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;div class=&#034;cs_sommaire cs_sommaire_avec_fond&#034; id=&#034;outil_sommaire&#034;&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_inner&#034;&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_titre_avec_fond&#034;&gt; Sommaire &lt;/div&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_corps&#034;&gt; &lt;ul&gt; &lt;li&gt;&lt;a title=&#034;1&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_0'&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a title=&#034;2&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_1'&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a title=&#034;3&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_2'&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/li&gt; &lt;/ul&gt; &lt;/div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Cet article a d&#233;j&#224; paru dans&lt;/i&gt; Beitr&#228;ge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 8 (2007), Heft 3. &lt;i&gt;Nous remercions Cathrin Nielsen de nous voir permis de la reproduire ici.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Oktober 1887, also knapp zwei Jahre vor seinem geistigen Zusammenbruch, schreibt Nietzsche an Hermann Levi in M&#252;nchen : &#8222;Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade im Grund so sehr Musiker war, wie ich es bin&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Nietzsche : S&#228;mtliche Briefe. Kritische Studienausgabe, hg. von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenig sp&#228;ter vertraut er seinem engen Freund Heinrich K&#246;selitz alias Peter Gast an : es gibt &#8222;Nichts, was mich eigentlich mehr &lt;i&gt;angienge &lt;/i&gt; als das Schicksal der Musik&#8220; (KSB 8, 275). Und immer wieder finden wir in Nietzsches Nachlass, wie auch in seinen Briefen, den Satz : &#8222;Ohne Musik w&#228;re das Leben ein Irrthum&#8220; (KSB 8, 280 u. &#246;.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wenn wir einmal davon absehen, dass Nietzsche, wie der eine oder andere auch, eine Affinit&#228;t zur Musik besa&#223;, dass er selbst komponierte, dass er sein Denken eine gewisse Zeit ganz in den Dienst der Wagnerschen Musik stellte, gegen die sp&#228;ter sein Fu&#223;, sein Blutlauf, seine ganzen Eingeweide revoltieren sollten, wie er schreibt,&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. Friedrich Nietzsche : Nietzsche contra Wagner, in : Kritische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;und der dem haltlosen Meer der Wagnerischen Opern schlie&#223;lich Bizets &lt;i&gt;Carmen &lt;/i&gt; vorzog ; wenn wir einmal von diesen biographischen Tatsachen absehen &#8211; was bedeutet es, wenn Nietzsche schreibt, er sei &lt;i&gt;als ein Philosoph&lt;/i&gt; &#8222;im Grunde&#8220; Musiker, es gebe nichts, was ihn als einen Philosophen mehr &#8222;angienge&#8220; als das &#8222;Schicksal der Musik&#8220;, denn ohne die Musik sei das Leben schlechthin &#8222;ein Irrthum&#8220; ? Wie ist diese ausdr&#252;cklich philosophische N&#228;he, ja Radikalit&#228;t der Hinwendung zur Musik zu verstehen ? Ist nicht die Musik der Philosophie gerade darin entgegengesetzt, dass sie sich der philosophischen Explizierbarkeit in einem Gef&#252;ge von Gr&#252;nden, von Begriffen und argumentativen Zusammenh&#228;ngen entzieht ? Die Musik nennt unserem Ohr niemals Gr&#252;nde. Es w&#228;re absurd, den in einen Moment der Zeit ausgebreiteten Klang mit dem allgemeinen Begriff in Verbindung zu bringen. Und wo und f&#252;r was b&#246;te die musikalische Phrase ein Argument ? Die Ohnmacht der philosophischen Vernunft vor dem Anspruch der Musik, oder anders herum formuliert : die Unm&#246;glichkeit der scheinbar allein dem subjektiven &lt;i&gt;Empfinden &lt;/i&gt; &#252;berantworteten Musik, &#252;berhaupt in den Bereich des Begriffs vorzudringen, ist offenbar evident. Die Tradition hat dieser inneren Unvers&#246;hnlichkeit auch, angefangen bei Platon, &#252;ber Aristoteles, Kant und Hegel, immer wieder erneut Ausdruck verliehen, bis hin zu Heidegger, der einmal beim H&#246;ren einer Sonate von Schubert lakonisch bemerkt haben soll : &#8222;&lt;i&gt;Das &lt;/i&gt; k&#246;nnen wir mit der Philosophie nicht.&#8220; Im Folgenden m&#246;chte ich versuchen, mich dieser scheinbaren Unvers&#246;hnlichkeit, dem Affront, den Philosophie und Musik f&#252;reinander darstellen, sowie Nietzsches spezifischer Antwort auf diesen Affront, zu n&#228;hern.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_0&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;1&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Beginnen wir zun&#228;chst mit einer Unterscheidung, der traditionellen Unterscheidung des Sehens vom H&#246;ren oder des Auges vom Ohr. Gem&#228;&#223; dieser Unterscheidung soll das Auge n&#228;mlich eine gr&#246;&#223;ere Affinit&#228;t zum Begriff und damit zum philosophischen Wissen haben als das H&#246;ren &#8211; eine Behauptung, auf die auch Nietzsche implizit zur&#252;ckgreift, wenn er schreibt : &#8220;Das Auge trennt, das H&#246;ren verbindet&#8220; (KSA 7, 547). Inwiefern ist das Sehen ein trennender, zergliedernder, analytischer Sinn, das H&#246;ren dagegen verbindend ? Und was hat diese behauptete Distanzierungsleistung des Sehens mit der Genese des Begrifflichen zu tun ? In seiner &lt;i&gt;Anthropologie &lt;/i&gt; schreibt Kant im Zusammenhang der Behandlung der Sinne, das Sehen sei deshalb der &#8222;edelste&#8220; Sinn, weil sich hier das &#8222;Organ&#8220;, also das Auge, &#8222;am wenigsten affiziert f&#252;hlt&#8220;, und damit einer reinen Anschauung seines Gegenstandes &#8222;n&#228;her&#8220; komme als alle anderen Sinne.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Immanuel Kant : Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, hg. von Reinhard (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Im H&#246;ren dagegen sei uns eine der Anschauung gegebene Gestalt nicht gegeben. Und weil dem H&#246;ren der Zugang zu einer solchen Gestalt fehlt, fehlt ihm auch die M&#246;glichkeit zum Begriff, weshalb die Musik letztlich, wie Kant fortf&#228;hrt, &#8222;gleichsam eine Sprache blo&#223;er Empfindungen (ohne alle Begriffe) ist&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 18).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt; Das Sehen soll also darin den Vorrang vor dem H&#246;ren haben, dass es die am wenigsten &lt;i&gt;ber&#252;hrte&lt;/i&gt;, von irgendwelchen Affekten oder Empfindungen freieste Sinnest&#228;tigkeit ist. Es hat nach Kant die F&#228;higkeit, bei &lt;i&gt;sich &lt;/i&gt; zu bleiben, w&#228;hrend wir beim Riechen, Schmecken, Tasten oder eben beim H&#246;ren in einem viel st&#228;rkeren Ma&#223;e affiziert, ja buchst&#228;blich in die Ber&#252;hrung hineingezogen werden. Das Auge dagegen nimmt, um zu sehen, Abstand, denn nur wenn es gleichsam einen Schritt zur&#252;ck tut, ist es in der Lage, einen Gegenstand in seiner ruhenden, seiner r&#228;umlichen &#8222;Gestalt&#8220; zu erfassen. Bliebe das Sehen abstandslos, w&#252;rde das Auge sich also nicht so weit von seinem Gegenstand entfernen, bis es an einem Umriss, einem &#8222;Object&#8220;, wie Kant sagt, zu Ruhe kommt, bliebe es ebenso gestalt- und begrifflos wie das H&#246;ren, ein flirrender, in den Moment gebundener Wirbel von Licht, Schatten und Farbe. Es gliche etwa dem Zustand, in den man ger&#228;t, wenn man aus einem abgedunkelten Raum in das glei&#223;ende Sonnenlicht tritt : Das Auge ist f&#252;r einen Moment lang so geblendet, dass man im eigentlichen Sinne nichts sieht. Diese Total-Affektion hat Kant im Blick, wenn er schreibt, dass jede Form der &#228;u&#223;eren Vorstellung zusammenbricht, wenn die Empfindung so stark wird, dass sich das Bewu&#223;tsein nur noch auf die &lt;i&gt;Ber&#252;hrung selbst&lt;/i&gt;, in diesem Fall auf den Angriff des Lichtes auf das Auge, richten kann, und die &#8222;Beziehung auf ein &#228;u&#223;eres Object&#8220;, wie er sagt, also auf einen von mir unterschiedenen Gegenstand, unm&#246;glich geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Der Vorgang des Sehens impliziert also gewisserma&#223;en einen &#220;bersprung der inneren Affektion in eine &#228;u&#223;ere Vorstellung, anhand derer das Sehen erst im eigentlichen Sinne zum &lt;i&gt;Sehen&lt;/i&gt;, n&#228;mlich zum Sehen-eines-&lt;i&gt;Etwas &lt;/i&gt; wird. Die M&#246;glichkeit des Begriffs beruht auf dieser &#220;bersprungsleistung insofern, als jeder Begriff ein Etwas, eine f&#252;r sich umrissene Gestalt und mit ihr verbunden die Distanz voraussetzt. Sich von Etwas einen Begriff machen kann man n&#228;mlich nur, wenn man dieses Etwas aus der Konstellation des Augenblicks herausnimmt und &#252;ber den Moment hinaus festh&#228;lt, sozusagen als bereits verarbeitete Sinneserfahrung apriorisch in sich verankert. Derjenige dagegen, der sich immer neu vom Spiel der Lichter, Schatten und Farben, vom willk&#252;rlichen Andrang der T&#246;ne, vom dunklen Widerstand des Getasteten, und das hei&#223;t von seiner kontingenten Sinnesempfindung mitrei&#223;en l&#228;sst, kommt, wie Kant kategorisch formuliert, weder zum Objekt noch zum Begriff.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Das Sehen ist als eine solche abst&#228;ndige Sinnesleistung zugleich mit dem Begriff des Raumes verkn&#252;pft. Das R&#228;umliche an der &#228;u&#223;eren Vorstellung bedeutet zun&#228;chst einmal das Moment ihrer &lt;i&gt;Ruhe&lt;/i&gt; ; sie zehrt davon, dass das unruhevolle Hin und Her unserer Affektivit&#228;t, und tiefer gesehen die absolute Unruhe der &lt;i&gt;Zeit&lt;/i&gt;, in ihr gleichsam aufgehoben sind. Sie sind zwar nicht v&#246;llig negiert, aber doch so weit vergleichg&#252;ltigt, dass sie uns in Form einer geschlossenen Gestalt gegen&#252;ber treten k&#246;nnen. Sobald eine Sache ein Gesicht bekommt (aus einem Abstand heraus gesehen werden kann), verliert sie ihre ausschlie&#223;liche Macht. Nietzsche spricht an einer Stelle von dem &#8222;indifferenten&#8220; oder &#8222;schmerzlosen Punkt&#8220; (KSA 7, 164 f.), von dem aus allein wir den Sprung aus dem unruhevollen Strom von Zeit und Empfindung in eine solche r&#228;umliche Vorstellung leisten k&#246;nnen. Mit diesem Punkt wird die Zeit respektive die Empfindung nicht nur negiert, sie wird auch greifbar. Und zwar deswegen, weil wir sie in der &#220;bersetzung in den Raum verbildlicht, ihr ein Antlitz gegeben haben. Die Zeit, vom Raum her gesehen, ist jetzt nichts anderes als eine Linie, eine fortgesetzte Aneinanderreihung von solchen schmerzlosen Punkten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;i&gt;Wie &lt;/i&gt; jedoch dieser Sprung in den Raum &#252;berhaupt m&#246;glich ist, das hei&#223;t, wie und warum die Zeit gleichsam angehalten und in eine stehende Gegenwart &#252;bersetzt werden kann, bleibt im Dunklen. Und zwar nicht zuletzt deswegen, weil der Sprung in das R&#228;umliche sich im Vollzug gleichsam verschlie&#223;t und darin zu einem Immer-schon-gewesenen wird. In gewissem Sinne greifen wir im Bild stets auf diesen &#8218;Fluchtpunkt' als das durchg&#228;ngig Bleibende und Versammelnde zur&#252;ck. Er bildet das Moment, in dem wir im h&#246;chstm&#246;glichen Ma&#223;e ber&#252;hrungslos geworden sind, sozusagen das Ur-Atom, das in sich fest verschlossene, abgerundete, schlechthin nicht mehr tangierbare &lt;i&gt;atomon &lt;/i&gt; all unserer weiteren, darauf aufbauenden Vorstellungen. Weil auf diese Weise unser eigentlich dem unaufhaltsamem Strom der Zeit ausgesetztes Empfinden in sich auf etwas zur&#252;ckgreifen kann, was bleibt, ja was sogar, wie der unendlich auf &lt;i&gt;sich &lt;/i&gt; zur&#252;ckverweisende Punkt, immer schon &lt;i&gt;gewesen &lt;/i&gt; sein muss, um dieses Bleiben &#252;ber den Moment hinaus zu gew&#228;hrleisten, kann man davon sprechen, dass wir dort, wo wir die unmittelbare Empfindung verlassen, in ein eigent&#252;mlich mit dem sichtbaren Raum verschlungenes Perfekt eintreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Das rationale Denken steht in Europa deswegen unter der Vorherrschaft des Auges, weil in ihm diese &lt;i&gt;Apriorit&#228;t &lt;/i&gt; unseres ganzen Seins, die streng genommen auf einem nicht mehr explizierbaren j&#228;hen &#220;bersprung von der Zeit in den Raum, von der Empfindung in die Vorstellung, basiert,&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Nietzsches ber&#252;hmtem Fragment &#220;ber Wahrheit und L&#252;ge im aussermoralischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; am klarsten hervortritt. Die Philosophie nennt diese Apriorit&#228;t seit jeher die Vernunft. Nur durch seine innere Intellektualit&#228;t, seine intime N&#228;he zum Raum, gewinnt das Auge der Vernunft den notwendigen Abstand zu den Dingen, was zugleich bedeutet, dass es Abstand gewinnt von jener abgr&#252;ndig verschlingenden Affektivit&#228;t, die ihm vorausgeht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wie verh&#228;lt es sich dagegen beim H&#246;ren ? Auch das H&#246;ren, so k&#246;nnte man zun&#228;chst einwenden, ist immer ein H&#246;ren-von-Etwas. Man h&#246;rt nicht schlechthin, sondern man h&#246;rt eine zuschlagende T&#252;r, ein Martinshorn, einen Amselruf, einen Satz. N&#228;her besehen erweist sich jedoch dieses intentionale, also bestimmte H&#246;ren als vermittelt durch das Sehen, genauer durch das innerlich schon Gesehen-Haben dessen, was eine T&#252;r, ein Martinshorn, eine Amsel jeweils sind. Wir haben, wenn wir h&#246;ren, schon immer etwas vor Augen, zwar nicht faktisch, aber ideell (das Wort Idee hat eine optische Wurzel, es kommt von griechisch &lt;i&gt;ide&#238;n&lt;/i&gt; : erblicken, erkennen). Man hat also bereits einen Begriff von der Sache, und in dieser Hinsicht scheint das H&#246;ren jene Distanzierungsleistung, die im Sehen offenkundig wird, und die allein erlaubt, dass sich die Dinge in einem klaren Licht zu erkennen geben, schon zu implizieren. Auch die Sprache zeigt sich von hier als ein Ph&#228;nomen, in dem Sehen und H&#246;ren, Bild und Laut, schon immer eine ganz bestimmte Verbindung eingegangen sind. Das Wort &#8218;Amsel' vernehme ich nicht lediglich als einen Laut, sondern ich greife im Zuge des H&#246;rens auf das durch die &#228;u&#223;ere Vorstellung vermittelte innere Bild, den Begriff, den Umriss, die Idee dieses schwarzen Vogels zur&#252;ck. (Die Schlichtheit dieses Satzes sollte freilich nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass dieser &#8218;R&#252;ckgriff' mit zum R&#228;tselhaftesten im Skelett unserer Sinnlichkeit geh&#246;rt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
An eine gewisse &lt;i&gt;Grenze &lt;/i&gt; dieser optischen Vermitteltheit ger&#228;t das H&#246;ren jedoch bei Worten, die wir nicht verstehen, oder bei Ger&#228;uschen, die wir nicht zuordnen k&#246;nnen. Hier wird das Ohr (mit Kants Worten) von der Bezugnahme auf ein &#228;u&#223;eres Objekt zur&#252;ckgeworfen auf das Gewahren der &#8222;Bewegung des Organs&#8220;, das hei&#223;t die akustische Affektion selbst. Das &lt;i&gt;Horchen&lt;/i&gt;, wie man die intensivierte Form des H&#246;rens auch nennen k&#246;nnte, ist ohne Idee, ohne Schon-Gesehen-Habendes, sondern ganz und gar auf das, was es in Beschlag nimmt, ge&#246;ffnet. Eben diese &#220;berantwortung an einen Anspruch, der unsichtbar bleibt, und der uns zu distanzlos Horchenden macht, der uns der Ber&#252;hrung selbst unterwirft, tritt am reinsten in der &lt;i&gt;Musik &lt;/i&gt; hervor. Das Material der Musik ist nicht die Gestalt, sondern der Klang und die Zeit, nicht der Punkt, sondern die in sich erzitternde Schwingung. Um hier wirklich zu h&#246;ren, darf man sich nicht an die Erscheinung heften, weil sich sonst das, was die Musik zu dem macht, was sie ist, n&#228;mlich eine Organisation der &lt;i&gt;Zeit&lt;/i&gt;, nicht des Raumes, wie das Bild, entzieht. In der Musik tritt die Bewegung der affektiven Sinnlichkeit also nicht hinter der Bezugnahme auf eine &#228;u&#223;ere Vorstellung zur&#252;ck, sondern sie &#246;ffnet sich unmittelbar, ohne irgendeine &#220;berbr&#252;ckung durch das Objekt (das Entgegengeworfene : &lt;i&gt;ob-jectum&lt;/i&gt;), auf die innere, nicht in den Raum &#252;bersetzte, und damit in gewissem Sinne vor-weltliche Natur der Zeit. Wenn wir Kants Worte zum Sehen umgekehrt auf das H&#246;ren beziehen wollten, w&#228;re also jetzt das H&#246;ren der &#8222;edelste&#8220; Sinn, weil sich hier das &#8222;Organ&#8220;, also das Ohr, &#8222;am meisten affiziert f&#252;hlt&#8220;, und sich damit von der Anschauung seines Gegenstandes, von der distanzierten Versenkung in seine Gestalt, seinen Umriss, so weit wie m&#246;glich entfernt. Je mehr man sich im H&#246;ren jedoch von der Vorstellung konkreter Dinge entfernt, je mehr sie ihren Umriss verlieren und verschwimmen, je mehr das Ohr also &#8222;verbindet&#8220;, wie Nietzsche sagt, wo das Auge &#8222;trennt&#8220;, desto mehr versinkt auch jene Grenze zwischen Innen und Au&#223;en oder zwischen Subjekt und Objekt, die f&#252;r das Sehen und das am Sehen orientierte Denken konstitutiv ist. Die durch das Ohr eindringenden Rhythmen und Kl&#228;nge bewegen zuletzt nicht nur das Ohr als einzelnes Organ, sondern sie erfassen die gestaltlose Lebendigkeit des Innern &#252;berhaupt. Sie zerfahren die allt&#228;glich gelebten, am Anschaulichen gebildeten Ordnungen, und setzen sie zur&#252;ck in das ziel- und endlose Hin und Her unserer affektiven Sinnlichkeit. Es ist ihre im reinen T&#246;nen erzitternde Materialit&#228;t, die der Musik von Anfang an den Zutritt zum Reich des Begriffs verwehrt. Wo die Musik an das Gestaltlose und damit auch Unvermittelbare f&#252;r den allgemeinen Gedanken anst&#246;&#223;t, erlischt traditionell ihre Relevanz f&#252;r die Philosophie.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_1&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;2&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Nietzsche nun stellt diese traditionelle Hierarchie der Sinne bzw. die Rangordnung von Begriff und Musik auf den Kopf &#8211; oder auf die F&#252;&#223;e, je nachdem &#8211;, wenn er schreibt : &#8222;Die Sprache, als Organ und Symbol der Erscheinungen, [kann] nie und nirgends das tiefste Innere der Musik nach au&#223;en kehren, sondern bleibt immer, sobald sie sich auf Nachahmung der Musik einl&#228;sst, in einer nur &#228;usserlichen Ber&#252;hrung&#8220; (KSA 1, 51) befangen. Nicht die Musik versagt hier im Angesicht der begrifflich transparenten Welt der Erscheinungen, sondern umgekehrt : der Begriff vermag als ein blo&#223;es Werkzeug der Erscheinungen das Wesen der Musik nur ganz &lt;i&gt;&#228;u&#223;erlich&lt;/i&gt;, wenn &#252;berhaupt, zu ber&#252;hren. Er ist gerade aufgrund seiner veranschaulichenden Struktur, seiner Verfangenheit in das distanziert &lt;i&gt;Optische&lt;/i&gt;, ohnm&#228;chtig, das Innere der Musik zu erfassen. Mit einem Mal tritt also die Musik an die Stelle des inneren &lt;i&gt;Wesens &lt;/i&gt; der Welt, wohingegen der traditionell der Erfassung dieses Wesens zugeordnete Begriff zu einem in sich beschr&#228;nkten, der Welt der blo&#223;en Erscheinungen zugeordneten Instrument herabsinkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Um diese bekanntlich bei Schopenhauer vorbereitete Umkehrung zu verdeutlichen, m&#246;chte ich im folgenden den &lt;i&gt;Rhythmus &lt;/i&gt; behandeln als eine von Nietzsche der abendl&#228;ndischen Dominanz des Optischen entgegengestellte Weise, die Zeit, genauer ihre rhythmische Artikulation, zum Grund unseres Selbst- und Weltverh&#228;ltnisses zu nehmen. Nach dem oben Zitierten soll also die Musik dem Begriff und der in ihm bewahrten Erscheinung darin &#252;bergeordnet sein, dass sie in einer elementareren Weise an unsere innere, unmittelbar mit der Zeiterfahrung verkn&#252;pfte Lebendigkeit r&#252;hrt als der Begriff. Diese vorver&#228;u&#223;erte Lebendigkeit nennt Nietzsche in Anlehnung an Schopenhauer auch den &lt;i&gt;Willen&lt;/i&gt;. Er schreibt : &#8222;Was thut die Musik ? Sie l&#246;st eine Anschauung in Willen auf. Sie enth&#228;lt die allgemeinen Formen aller Begehrungszust&#228;nde : sie ist durch und durch Symbolik der Triebe, und als solche in ihren einfachsten Formen (Takt, Rhythmus) durchaus und jedermann verst&#228;ndlich&#8220; (KSA 7, 23). Was tut also die Musik ? Sie &#252;bersetzt die Welt der &#228;u&#223;eren Erscheinungen, also jene Welt, in der wir sicher herumgehen, in der wir ein oben und unten, ein rechts und links, ein hinten und vorne, ein fr&#252;her und sp&#228;ter usw. kennen, in der wir Dieses von Jenem unterscheiden und uns selbst darin positionieren k&#246;nnen, das hei&#223;t die Welt, von der wir uns einen Begriff gemacht haben und die darin anschaulich vor uns liegt, diese Welt l&#246;st sie &#8222;in Willen&#8220; auf. Was &#8222;Willen&#8220; ist, erl&#228;utert Nietzsche hier nicht weiter, aber er f&#252;gt verdeutlichend hinzu : &#8222;Begehrungszust&#228;nde&#8220; bzw. &#8222;Triebe&#8220;. In der Regel treten einem das Begehren, das Wollen, die Triebe als bestimmte entgegen : man will oder begehrt Dieses oder Jenes, es treibt einen Hierhin oder Dorthin usw. &#8211; die Affekte haben also ein Gesicht in Form von Leidenschaften, gerichteten Begierden und Bed&#252;rfnissen und f&#252;hren damit zugleich ein Sammelsurium an bestimmten M&#246;glichkeiten mit sich, sie zu befriedigen. Sofern aber die Musik die Anschauung &#8222;aufl&#246;st&#8220;, wie Nietzsche sagt, tritt auch die Bestimmtheit dieser Willensbekundungen in den Hintergrund. &#196;hnlich wie oben beim Horchen beschrieben, in dem wir nichts Anschauliches mehr vor Augen haben, ist auch das &#8222;Wollen&#8220;, das sich in der Musik auftut, ein von der Welt der Erscheinungen her unbestimmtes, richtungsloses, nur auf sich selbst als reine Bewegtheit gerichtetes Wollen. Als solches ist es &#8222;jederman verst&#228;ndlich&#8220;, das hei&#223;t, es ist keiner weiteren Begr&#252;ndung bed&#252;rftig (oder sogar f&#228;hig). Allerdings soll dieses Wollen in der Musik nicht ordnungslos schlechthin sein, sondern seinerseits durch &#8222;Symbolik&#8220;, also durch &#8222;allgemeine Formen&#8220;, von denen der &#8222;Takt&#8220; und der &#8222;Rhythmus&#8220; die &#8222;einfachsten&#8220; sein sollen, bestimmt. Wie ist diese formale Symbolik, die nicht f&#252;r das Auge ist, also optisch vermittelt, sondern &#252;ber so etwas wie rhythmische oder metrische Verh&#228;ltnisse, genauer zu verstehen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
In einer Nachlassnotiz aus den siebziger Jahren spricht Nietzsche in Bezug auf die musikalische Rhythmik auch von &#8222;'Intermittenzformen' des Willens&#8220; (KSA 1, 574). Lateinisch &lt;i&gt;intermittere &lt;/i&gt; bedeutet so viel wie &#8218;aussetzen', &#8218;unterbrechen'. In der Musik bleibt das Wollen bzw. die Affektivit&#228;t nicht vollst&#228;ndig bei sich, sondern ist in sich &#8222;intermittiert&#8220;, gewisserma&#223;en in sich unterbrochen, wenn auch in einem anderen Sinne als durch die &#220;bersetzung ins R&#228;umlich-Optische, die mittels des Auges, das dann zum Auge des Geistes wird, stattfindet. W&#228;hrend die Distanz dort n&#228;mlich durch eine &lt;i&gt;Entfernung &lt;/i&gt; vom Affekt zustande kommt, verbleibt jene Unterbrechung hier im Bereich der Affektivit&#228;t, genauer : sie entspringt dem in die Zeit ausgebreiteten Spiel der Willensregungen von Lust und Unlust. Dieses Willensspiel zwischen Lust und Unlust als eines von Dynamik und Intermittenz beschreibt Nietzsche folgenderma&#223;en : &#8222;Die Lust ist eine Art von Rhythmus in der Aufeinanderfolge von geringeren Schmerzen [...], eine &lt;i&gt;Reizung &lt;/i&gt; durch schnelle Folge von Steigerung und Nachlassen, wie bei der Erregung eines Nerven [...], und im Ganzen eine aufw&#228;rts sich bewegende Curve : [...]. Die Unlust ist [dagegen] ein Gef&#252;hl bei einer Hemmung&#8220; (KSA 11, 222). Bei der Lust handelt es sich also um einen Zustand der &#8222;Erregung&#8220;, genauer : einen Zustand der fortw&#228;hrend gereizten und darin unabl&#228;ssig sich in sich selbst vertiefenden Affektion. Ihr innerer Rhythmus kennt nur ganz geringf&#252;gige Grade der Hemmung, n&#228;her besehen nur solche, die dazu dienen, die rasche, nie in die Bewusstheit &#252;bertretende Aneinanderreihung von Anschwellen und Zur&#252;cksinken immer weiter zu intensivieren. Die Lust ist in ihrem Wesen unumgrenzt, sie hat die Tendenz, alle Formen der Endlichkeit gleichsam mit sich mitzurei&#223;en und sich ins Unendliche auszustr&#246;men. Jeder Widerstand f&#252;hrt hier allein dazu, das potenziell ins Unendliche ausgreifende Anschwellen dieser Erregung nicht erlahmen zu lassen, was zugleich bedeuten w&#252;rde : sie im Hinblick auf irgend etwas zur Gestalt zu bringen. Dieses dem reinen Vorw&#228;rtsdr&#228;ngen der Lust entgegengesetzte &#8218;Irgendetwas' k&#246;nnte &#8211; als Beispiel &#8211; beim K&#252;nstler der Punkt bedeuten, von dem die Dimensionalit&#228;t eines Bildes ihren Ausgang nimmt, oder beim Musiker der erste, sich einstellende Widerstand im Klanglichen, aus dem die Melodie geboren wird, oder wieder anders im Geschlechtlichen die Zeugung eines Kindes, in dem sich die Lust ein Gesicht verschafft. Sofern dieser Tendenz auf Entgrenzung, der potenziell unendlichen &#8222;Curve&#8220; nach aufw&#228;rts, jedoch &lt;i&gt;nichts &lt;/i&gt; entgegengesetzt wird, verwandelt sie sich in eine t&#246;dliche &lt;i&gt;Negativit&#228;t &lt;/i&gt; &#8211; Kant zumindest formuliert im Blick auf diese Tendenz den auf den ersten Blick paradoxen Gedanken, dass aus einer ungehinderten, &#8222;kontinuierlichen Bef&#246;rderung der Lebenskraft&#8220; ein &#8222;schneller Tod vor Freude&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 60) folgen w&#252;rde. In der tiefen Intensit&#228;t oder &lt;i&gt;Abstandslosigkeit &lt;/i&gt; der Lust gegen sich selbst liegt n&#228;mlich, dass sie nicht &#8222;th&#228;tig&#8220; wird, das hei&#223;t, dass sie aufgrund des fehlenden Widerstandes keine Notwendigkeit versp&#252;rt, jene Form der &#220;bersetzungsleistung zu vollbringen, die die Grundbedingung aller organischen Lebendigkeit darstellt. Die Lust als &#8222;Kitzel&#8220; bleibt ihrer Tendenz nach ebenso &#8222;unth&#228;tig&#8220; wie gesichtslos, so gesichtslos, dass Nietzsche zuletzt fragen kann : &#8222;Was ist Lust [eigentlich], wenn nur das Leiden&#8220;, das hei&#223;t jene Erfahrung des &lt;i&gt;Widerstandes&lt;/i&gt;, &#8222;positiv ist ?&#8220; (KSA 7, 216). Ist die reine, ununterbrochene Lust zuletzt nicht anderes als Hegels in Bezug auf die absolute Freiheit formuliertes Wort von der &#8218;Furie des Verschwindens' ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Der Schmerz oder die Hemmung dagegen sind n&#228;mlich &#8222;positiv&#8220; darin, dass das Leben sich hier, wie Nietzsche sagt, &#8222;bewu&#223;t werden kann&#8220;. Alles organische, und das hei&#223;t, alles gerichtete, gebundene Leben hat in sich eine Art Instinkt nach Widerstand, weil nur die Hemmung, das Einhalt-Gebieten jenes gesichtslosen, &#252;berschie&#223;enden Lustgef&#252;hls Leben als einen Zusammenhang von bestimmten Bewegungen, also das &lt;i&gt;Organische &#252;berhaupt&lt;/i&gt; hervortreten l&#228;sst. Ohne Schmerz verbleibt das Leben im Zustand der Indifferenz befangen &#8211; dies bedeutet eben jener von Kant ins Spiel gebrachte &lt;i&gt;t&#246;dliche &lt;/i&gt; Aspekt der Lust.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Jeder Rhythmus als eine sich umschlie&#223;ende Bewegung gr&#252;ndet somit auf einem sich dieser urt&#252;mlichen Lustbewegung entgegenstellenden Moment der &lt;i&gt;Hemmung&lt;/i&gt;. Im Gef&#252;hl des Widerstandes, der einen Bruch der potenziell unendlich mit sich selbst befassten Lust darstellt, tritt das Leben zu sich selbst in einen Bezug ; daher beginnt der Mensch sich bereits in seinen ersten Lebensstunden von seiner vergangenheitslosen (ungebundenen) Indifferenz und Offenheit wegzuarbeiten, das hei&#223;t, jenen perfektiven, apriorischen Raum in sich einzubilden, der ihn zu einem diskontinuierlichen Individuum macht. Der Proze&#223; der Individuation w&#228;re demnach zuletzt so etwas wie ein zunehmend in sich verbundener Komplex schmerzhafter &#8222;Unterbrechungen&#8220; ; ohne solche bliebe das Leben gewisserma&#223;en im Anorganischen befangen &#8211; deshalb f&#228;hrt Nietzsche fort : &#8222;Es giebt einen Willen zum Leiden im Grunde alles organischen Lebens&#8220; (KSA 11, 222).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Die &#8222;Intermittenzformen&#8220;, deren einfachste der Takt und der Rhythmus sein sollen, sind also dadurch charakterisiert, dass sie die kontinuierliche, ungestillte Bewegung nach vorn &#8211; mit anderen Worten die Zeit &#8211; gewisserma&#223;en anhalten und in einen Moment der bestimmten Dauer &#252;berf&#252;hren. Das griechische Wort &lt;i&gt;rhythmos &lt;/i&gt; bedeutet zun&#228;chst lediglich das Moment der Distinktion und impliziert darin so etwas wie die Abstandnahme einer einf&#246;rmigen Bewegung von sich selbst. Das Leben in seiner Vieldeutigkeit, seinen &#220;berg&#228;ngen und Schattierungen w&#228;re nicht m&#246;glich, wenn es nur &lt;i&gt;eine &lt;/i&gt; Bewegungsrichtung g&#228;be, die nach vorn. So w&#228;re beispielsweise das Ph&#228;nomen der Erinnerung, das elementar ist f&#252;r jede Form gegliederter Zeitlichkeit, ohne eine Bewegung, die sich dem reinen Str&#246;men entgegenstellte, die aus ihm gewisserma&#223;en zur&#252;ckschnellte, unm&#246;glich. Es ist dieses Widerspiel, was in der Musik zutage tritt, denn einem gewissen Sinn ist Musik nichts anderes als aufeinander zugeordnete Bewegung, und das bedeutet zugleich : auf einander zu geordnete Zeit. Und weil allein diese Zuordnung etwas bewu&#223;t werden l&#228;sst, kann Nietzsche sagen, der Rhythmus sei tiefer besehen eine &#8222;Form des Werdens, &#252;berhaupt die &lt;i&gt;Form der Erscheinungswelt&lt;/i&gt;&#8220; (KSA 7, 523).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Gegensatz zu Schopenhauer (und an ihn ankn&#252;pfend Richard Wagner) tritt in der Musik also f&#252;r Nietzsche &lt;i&gt;nicht &lt;/i&gt; der Wille in seiner reinen, ungebrochenen Form in Erscheinung ; in ihr spricht sich vielmehr eine bestimmte und zwar fundamentale Organisation unserer Sinnlichkeit und damit unseres ganzen Seins aus. &#8222;Der Mensch ist ein &lt;i&gt;rhythmen-bildendes Gesch&#246;pf&lt;/i&gt;&#8220;, hei&#223;t es im Nachla&#223; der achtziger Jahre, das Rhythmenbilden ist &#8222;seine Art, sich der &#8218;Eindr&#252;cke' zu bem&#228;chtigen&#8220; (KSA 10, 651). Er bem&#228;chtigt sich der Eindr&#252;cke dabei nicht, oder zumindest nicht zuerst, mittels des in der Tradition favorisierten Distanzsinnes eines einzigen Organs, des Auges, sondern durch Artikulation seiner ganzen Leiblichkeit und jener sie durchherrschenden Vitalit&#228;t, die formal betrachtet nichts anderes darstellt als ein Widerspiel von Dynamik und Intermittenz, von Lust und Schmerz, oder wieder anders gewendet, von Ausstr&#246;men und Gehemmtwerden, von offener und gebundener Zeit. Die zwei, wie Nietzsche sagt, &#8222;anthropomorphischen Haupt&#228;u&#223;erungen&#8220;, n&#228;mlich der &#8222;Gang&#8220; und die &#8222;Sprache&#8220;, geben davon unmittelbar Zeugnis. Ob der Gang ein freies Ausschreiten ist, ein z&#246;gerndes Taumeln oder ein wirbelnder Tanz, verr&#228;t etwas von der Weise der in ihm gegliederten Zeit. Das Tempo, der Tonfall, die Rhythmik und F&#228;rbung des Sprechens, ob es ein Stammeln ist oder ein Befehl, Beschw&#246;rung oder Gesang, weist &#252;ber die informative Begrifflichkeit eines Satzes hinaus auf den affektiven, vorbegrifflichen Untergrund alles Sprechens : &#8222;Alle Lust- und Unlustgrade &#8211; &#196;u&#223;erungen eines uns nicht durchschaubaren Urgrundes &#8211; symbolisiren sich im Tone des Sprechenden&#8220; (KSA 7, 360). Lange bevor sich der Mensch also als ein animal rationale, als ein mit dem Auge der Vernunft ausgestattetes Lebewesen etabliert, ist er in der Vielzahl seiner artikulierten Lebensformen, in seiner ganzen Bewegungs&#246;konomie, eine, wie Nietzsche sagt, &#8222;&lt;i&gt;Erscheinung der Musik&lt;/i&gt;&#8220; (KSA 7, 317).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wie verh&#228;lt sich diese tonale und rhythmische, auf unsere Affektivit&#228;t zur&#252;ckweisende Symbolik der Musik nun genauer zum Begriff ? Ist nicht auch sie demnach gegliedert, durch Differenzierungsleistungen artikuliert und darin vorstellend oder zumindest darstellend ? Unterl&#228;uft Nietzsche damit nicht jenen urspr&#252;nglich anvisierten Aufl&#246;sungscharakter der Musik, ihre Radikal-Entgrenzung und damit &#228;u&#223;erste Entfernung vom Bilder schaffenden Auge und dem dieser Verbildlichung entspringenden Begriff ? Ja und Nein. &lt;i&gt;Ja&lt;/i&gt;, insofern er gegen Schopenhauer einwendet, dass &#8222;auch das gesammte Triebleben, das Spiel der Gef&#252;hle Empfindungen Affekte Willensakte [...] uns [...] bei genauester Selbstpr&#252;fung nur als Vorstellung, nicht seinem Wesen nach, bekannt&#8220; (KSA 7, 361) ist. Die Trennung zwischen einer Welt des Willens, die sich in der Musik ad&#228;quat zur Erscheinung bringt, und einer durch das &lt;i&gt;principium individuationis&lt;/i&gt; gezeichneten Welt der Vorstellung, ist f&#252;r das Leben nicht haltbar, aus dem einfachen Grund, weil wir die Vorstellung im basalen Sinne einer ersten Gliederung der Zeit, nicht loswerden k&#246;nnen, &lt;i&gt;ohne uns selbst loszuwerden&lt;/i&gt;. Nicht nur das Auge symbolisiert, auch das Ohr bzw. der Vitalsinn &#252;berhaupt als Antagonismus von Unlust und Lust ist nicht affektiv schlechthin, sondern sch&#246;pferisch in dem Sinne, dass er die Eindr&#252;cke rhythmisiert, dass hei&#223;t, sich ihrer durch das Widerspiel von Aneignung und Widerstand bem&#228;chtigt. Die Symbolik f&#252;r das Auge, oder das Bild, ist von der Symbolik f&#252;r das Ohr, dem Rhythmus, jedoch f&#252;r Nietzsche auf der &lt;i&gt;anderen &lt;/i&gt; Seite dadurch unterschieden, dass das Bild auf einer Negation der Zeit bzw. der Affektivit&#228;t basiert, w&#228;hrend der Rhythmus in gewissem Sinne ein Produkt der Zeit selbst darstellt. Mit anderen Worten : die Rhythmik &lt;i&gt;&#252;ber&lt;/i&gt;springt ihre Herkunft (die affektive Bewegung) nicht, sie entspringt der Bewegung und wendet sich gliedernd auf sie zur&#252;ck. Wie ist das zu verstehen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Zun&#228;chst ist daran zu erinnern, dass das, was Nietzsche unter &#8218;Bild' versteht, nicht etwa durch die moderne Malerei charakterisiert ist (die moderne Kunst unterl&#228;uft gerade diese gegenst&#228;ndliche Bindung des Sehens), sondern in seiner deutlichsten Form durch jene Visualisierung und Vergegenst&#228;ndlichung, wie sie durch die moderne Wissenschaft betrieben wird. Deren Methodik gr&#252;ndet n&#228;mlich auf einer gewissen Ausschaltung der affektiv empfundenen (und damit unwiederholbaren und unverrechenbaren) Zeit, insofern diese nun in einer gewissen Angleichung an Verh&#228;ltnisse des Raumes als ein ebenso homogenes wie verl&#228;ssliches Zeitkontinuum gedacht wird, in das alle Begebenheiten eingeschleust werden m&#252;ssen, um als empirische Objekte gelten zu k&#246;nnen. Die homogene Linearzeit &#8211; auf den Raum projiziert : die Linie &#8211; basiert darauf, dass die unendlich verschiedenen, in den individuellen Antagonismus von Lust und Unlust verflochtenen &lt;i&gt;qualitativen &lt;/i&gt; Zeitrhythmen in ein quantitatives Schema &#252;bersetzt werden. Das hei&#223;t, ihre innere flirrende &#220;berg&#228;ngigkeit wird im Hinblick auf ein immer schon Beharrendes festgestellt, auf eine Gegebenheit, auf die jederzeit und an jedem Ort zur&#252;ckgegriffen werden kann. Wo das nicht m&#246;glich ist, das hei&#223;t, wo der punktuelle Moment sich nicht im n&#228;chsten auf eine berechenbare Weise fortsetzt, wo die Zukunft nicht durch das dem sichtbaren Raum eingeschriebene Perfekt schon immer &#252;berholt ist, kann es keine Wissenschaft geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Gegensatz zu dieser geregelten, nach au&#223;en gewendeten Zeit der empirischen Vorstellung ist diejenige Zeit, die Nietzsche mit dem Rhythmus des Leiblichen, dem H&#246;ren und der Musik zusammenbringt, offenbar eine innere, sozusagen auf ihre affektive Natur hin ge&#246;ffnete Zeit. W&#228;hrend die temporale Struktur des Sehens durch die vor-l&#228;ufige Apriorit&#228;t des Perfekts charakterisiert ist, ist eine solche Bindung der inneren, regellosen Natur der Zeit fremd. Als gleichsam in ihre reine Zuk&#252;nftigkeit &#252;berschie&#223;ende greift sie auf kein erstes Beharrliches in sich zur&#252;ck, sondern ist wie die Lust zun&#228;chst nichts als der unabl&#228;ssig sich abl&#246;sende Reiz-nach-vorne, Tendenz auf Mehr. Was bedeutet es aber nun f&#252;r Nietzsche, dass der Rhythmus als die Symbolik des &lt;i&gt;Ohrs &lt;/i&gt; eben keinen solchen apriorischen Punkt vorfindet, sondern diesen selbst je neu und je anders entspringen l&#228;sst ? Was ist mit der Zur&#252;ck&#252;bersetzung der Verh&#228;ltnisse des Raumes in diejenigen der Zeit (und damit der Empfindung) gewonnen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Denken wir an die eingangs zitierte Unterscheidung Kants zur&#252;ck, wonach das Sehen den Vorrang vor dem H&#246;ren darin haben soll, dass es im Gegensatz zu diesem sich &#8222;am wenigsten affiziert f&#252;hlt&#8220;, weil in ihm das &#8222;Bewu&#223;tsein der Bewegung des Organs&#8220; hinter dem der &#8222;Beziehung auf ein &#228;u&#223;eres Objekt&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 19) zur&#252;cktritt. Das &#8222;Bewu&#223;tsein der Bewegung des Organs&#8220;, das hei&#223;t die F&#228;higkeit, affiziert zu werden, kann so anhaltend hinter der Bezugnahme auf &#228;u&#223;ere Objekte zur&#252;cktreten, dass schlie&#223;lich eine Apathisierung der gesamten Vitalit&#228;t eintritt. Nach Nietzsche befindet sich eben die Moderne im Zustand einer solchen tief greifenden &#8222;Willensl&#228;hmung&#8220; (KSA 5, 138), das hei&#223;t einer &lt;i&gt;Disgregation &lt;/i&gt; jener oben genannten formen- und rhythmenbildenden Kraft, mittels derer es &#252;berhaupt so etwas wie eine menschliche Welt gibt. Sein Versuch, sich vermittelt &#252;ber die Musik auf die Bewegung der Affektion selbst zu richten, und damit den eigent&#252;mlich mit dem Zeitempfinden verflochtenen Sprung, den die Seele leisten muss, &lt;i&gt;um f&#252;r sich selbst wirklich zu werden&lt;/i&gt;, ans Licht zu heben, dient somit einer Aufkl&#228;rung jenes scheinbaren Apriori, das das Auge der Vernunft darstellt. Nur in seinem Gewordensein und damit seiner dunklen Offenheit gegen die Zeit, liegt die M&#246;glichkeit lebendiger Vernunft. Von der Symbolik des Auges unterscheidet demnach die Symbolik f&#252;r das Ohr, dass diese nicht auf Verh&#228;ltnissen der Sichtbarkeit gr&#252;ndet, sondern auf Verh&#228;ltnissen der Zeit, eben auf Rhythmen, und zwar nicht auf logifizierbaren, sondern auf individuell geleisteten und &lt;i&gt;gelebten &lt;/i&gt; Rhythmen. Auf der anderen Seite warnt Nietzsche davor, in der Affektivit&#228;t schlechthin die L&#246;sung gegen die Objektivierungstendenzen des Auges zu finden. Von hier aus soll abschlie&#223;end ein kurzer Blick auf Nietzsches bissige Behauptung geworfen werden, die moderne Musik, also &#8222;unsre Art Rhythmik&#8220;, geh&#246;re &#8222;in die Pathologie&#8220; (KSB 3, 404 f.).&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_2&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;3 &lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Dazu greife ich auf eine etwas l&#228;ngere Notiz Nietzsches aus seiner Sp&#228;tschrift &lt;i&gt;Nietzsche contra Wagner&lt;/i&gt; zur&#252;ck. In einem dieser &#8222;Aktenst&#252;cke eines Psychologen&#8220;, wie es im Untertitel hei&#223;t, schreibt Nietzsche :&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&#8222;Die Absicht, welche die neuere Musik in dem verfolgt, was jetzt, sehr stark, aber undeutlich, &#8218;&lt;i&gt;unendliche &lt;/i&gt; Melodie' genannt wird, kann man sich dadurch klar machen, dass man in's Meer geht, allm&#228;hlich den sicheren Schritt auf dem Grunde verliert und sich endlich dem Element auf Gnade und Ungnade &#252;bergiebt : man soll &lt;i&gt;schwimmen&lt;/i&gt;. In der &#228;lteren Musik musste man, im zierlichen oder feierlichen oder feurigen Hin und Wieder, Schneller und Langsamer, etwas ganz Anderes, n&#228;mlich &lt;i&gt;tanzen&lt;/i&gt;. Das hierzu n&#246;thige Maass, das Einhalten bestimmter gleich wiegender Zeit- und Kraftgrade erzwang von der Seele des H&#246;rers eine fortw&#228;hrende &lt;i&gt;Besonnenheit&lt;/i&gt;, &#8211; [...] &#8211; Richard Wagner wollte [dagegen] eine andre Art Bewegung, &#8211; er warf die physiologische Voraussetzung der bisherigen Musik um. Schwimmen, Schweben &#8211; nicht mehr Gehn, Tanzen&#8230; Vielleicht ist damit das Entscheidende gesagt. Die &#8218;unendliche Melodie' will eben alle Zeit- und Kraft-Ebenm&#228;ssigkeit brechen [...] &#8211;, sie hat ihren Reichthum der Erfindung gerade in dem, was einem &#228;lteren Ohr als rhythmische Paradoxie [...] klingt. Aus einer Nachahmung, aus einer Herrschaft eines solchen Geschmacks entst&#252;nde eine Gefahr f&#252;r die Musik, wie sie gr&#246;&#223;er gar nicht gedacht werden kann &#8211; die vollkommene Entartung des rhythmischen Gef&#252;hls, das Chaos an Stelle des Rhythmus&#8220; (KSA 6, 421 f.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Die &#8222;physiologische Voraussetzung&#8220; der alten Musik soll also das, einer bestimmten Zusammenordnung der Zeitgrade entspringende &#8222;Maass&#8220; gewesen sein, das in der &#8222;Seele&#8220; des H&#246;rers, wie der Psychologe Nietzsche sagt, eine &#8222;fortw&#228;hrende &lt;i&gt;Besonnenheit&lt;/i&gt;&#8220; erzwang. Die bereits im Spiel der Muskeln und Bewegungen in Erscheinung tretende, an sich ganz offene und &#252;berschie&#223;ende Vitalit&#228;t des Leibes wurde im H&#246;ren der musikalischen Rhythmen geb&#228;ndigt und in Form gebracht &#8211; ein Gedanke, den auch Platon ins Zentrum seines Alterwerkes &lt;i&gt;Nomoi &lt;/i&gt; r&#252;ckt. Die unendlich vielf&#228;ltigen, jedoch in sich zwingend auf die Seele einwirkenden Zeit- oder Bewegungs&lt;i&gt;ordnungen&lt;/i&gt; f&#252;hren n&#228;mlich dazu, dass sich der Mensch auf vielf&#228;ltige, aber in dieser Vielfalt nie beliebige Weise selbst gegenw&#228;rtig werden kann. Eine solche Vergegenw&#228;rtigung seiner selbst l&#228;sst sich als Ethos verstehen, als Haltung, als verk&#246;rperte, in der Besonnenheit, die keine wissenschaftliche, sondern eine &lt;i&gt;ethische &lt;/i&gt; Kategorie darstellt, wurzelnde Lebendigkeit. Der Mensch wird sich hier nicht als Subjekt, das den Dingen unber&#252;hrt gegen&#252;ber steht, gegenw&#228;rtig, das hei&#223;t mittels eines von seiner Leiblichkeit und Affektivit&#228;t losgel&#246;sten Auges der Vernunft, sondern als ein lebendiger, jedoch in dieser Lebendigkeit endlicher Zusammenhang von Rhythmen, mit anderen Worten : im sinnlichen Zusammenspiel von einander erg&#228;nzenden und korrigierenden Lebensformen. Es ist diese lebendige &lt;i&gt;Endlichkeit&lt;/i&gt;, die Nietzsche gegen die Musik Wagners geltend macht. Die ununterbrochene, endlose Melodie, die die Seele nicht gehen und tanzen l&#228;sst, sondern der verflie&#223;enden Indifferenz des Ozeans &#252;bergibt, ist deshalb die &#8222;gr&#246;&#223;te Gefahr&#8220;, weil sie die tiefe, gleicherma&#223;en sch&#246;pferische wie verw&#252;stende Chaotik unserer &#252;berschie&#223;enden Affektivit&#228;t verkennt, und glaubt, im Affekt selbst, im irgendwie wogenden Gef&#252;hl, l&#228;ge bereits eine lebbare Alternative zum sezierenden Auge der Vernunft. So fasst der Philosoph Nietzsche f&#252;r seine Auffassung der Musik zusammen : &#8222;Von meiner Musik will ich nur eins, dass ich damit &lt;i&gt;Herr &lt;/i&gt; &#252;ber eine Stimmung werde, die, ungestillt, vielleicht sch&#228;dlicher ist&#8220; (KSB 4, 77).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Ohne auf das komplizierte Verh&#228;ltnis von Wagner und Nietzsche n&#228;her einzugehen, l&#228;sst sich zusammenfassend sagen, dass das Leben &#8222;ohne Musik&#8220; f&#252;r Nietzsche offenbar in zweifacher Hinsicht einen &#8222;Irrthum&#8220; darstellt. Es ist einerseits Irrtum, wenn allein die objektivierende T&#228;tigkeit des Auges als Ma&#223;stab einer artikulierten Welt gelten soll. Dies ist der Irrtum der heute auf einen mikrobiotischen Materialismus zustrebenden Wissenschaft, die zuletzt dazu &#252;bergeht, auch das Subjekt, genauer den Menschen, ihren progressiven Objektivierungsprozessen zu unterwerfen, das hei&#223;t einer atomaren Apriorit&#228;t, die ihm, insofern sie seine innere, &#8222;erzitternde&#8220; Lebendigkeit verleugnet, nur in einem ver&#228;u&#223;erten Sinne entspricht. Es ist andererseits Irrtum, sofern das unendliche, &lt;i&gt;abgr&#252;ndig &lt;/i&gt; unendliche Str&#246;men der Stimmungen, Gef&#252;hle und Affekte dazu im Grunde keinen Gegenpol darstellt, sondern der wissenschaftlichen Verfl&#252;ssigung der artikulierten Welt in eine einf&#246;rmige Bewegung nach vorn sogar auf merkw&#252;rdige Weise entspricht.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. hierzu von der Verf. : &#220;berw&#228;ltigte Natur. &#220;berlegungen zum Gesicht des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Beiden Irrt&#252;mern ist zu eigen, dass sie die tiefere Ber&#252;hrung durch den Widerstand, &lt;i&gt;der zu einem Anfang wie zu einem Ende gleicherma&#223;en zwingt&lt;/i&gt;, f&#252;r das Leben ausschalten m&#246;chten. Das Streben nach unendlicher Fortsetzung seiner selbst, ob als Alleinherrschaft des Auges oder als Alleinherrschaft des Gef&#252;hls, ist jedoch, darin ist sich Nietzsche mit Kant einig, zur Indifferenz verurteilt.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Friedrich Nietzsche : &lt;i&gt;S&#228;mtliche Briefe. Kritische Studienausgabe&lt;/i&gt;, hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Band 8, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 172 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel KSB mit Seitenangabe).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Vgl. Friedrich Nietzsche : Nietzsche contra Wagner, in : &lt;i&gt;Kritische Studienausgabe&lt;/i&gt;, hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Band 6, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 1988, S. 418 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel KSA mit Seitenangabe).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Immanuel Kant : &lt;i&gt;Anthropologie in pragmatischer Hinsicht&lt;/i&gt;, hg. von Reinhard Brandt, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2000, &#167; 19 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel &lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. mit Paragraphenangabe) ; vgl. Aristoteles : &#8222;Das Sehen ist die Wahrnehmung im h&#246;chsten Ma&#223;e&#8220; (&lt;i&gt;De anima &lt;/i&gt; 429 a).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;In Nietzsches ber&#252;hmtem Fragment &lt;i&gt;&#220;ber Wahrheit und L&#252;ge im aussermoralischen Sinne &lt;/i&gt; ist von dem wirklich abgr&#252;ndigen &#220;bersprung die Rede, der vollzogen werden muss, damit wir auf einen Boden gelangen, auf dem &#252;berhaupt Etwas f&#252;r uns sein kann : &#8222;Ein Nervenreiz zuerst &#252;bertragen in ein Bild ! erste Metapher. Das Bild wieder nachgeformt in einem Laut ! Zweite Metapher. Und jedesmal vollst&#228;ndiges Ueberspringen der Sph&#228;re, mitten hinein in eine ganz andere und neue&#8220; (KSA 1, 879).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Vgl. hierzu von der Verf. : &#220;berw&#228;ltigte Natur. &#220;berlegungen zum Gesicht des Nihilismus im Anschlu&#223; an Nietzsche, in : &lt;i&gt;Ph&#228;nomenologie und Gewalt&lt;/i&gt;, hg. von Harun Maye und Hans Rainer Sepp, W&#252;rzburg 2005, S. 64-81.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="fr">
		<title>Nietzsche und die Musik
</title>
		<link>https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article649</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article649</guid>
		<dc:date>2016-07-08T06:00:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>fr</dc:language>
		<dc:creator>Cathrin Nielsen
</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Cet article a d&#233;j&#224; paru dans Beitr&#228;ge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 8 (2007), Heft 3 . Nous remercions Cathrin Nielsen de nous voir permis de la reproduire ici. Im Oktober 1887, also knapp zwei Jahre vor seinem geistigen Zusammenbruch, schreibt Nietzsche an Hermann Levi in M&#252;nchen : &#8222;Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade im Grund so sehr Musiker war, wie ich es bin&#8220; . Wenig sp&#228;ter vertraut er seinem engen Freund Heinrich K&#246;selitz alias Peter Gast an (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?rubrique45" rel="directory"&gt;XIXe si&#232;cle
&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;div class=&#034;cs_sommaire cs_sommaire_avec_fond&#034; id=&#034;outil_sommaire&#034;&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_inner&#034;&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_titre_avec_fond&#034;&gt; Sommaire &lt;/div&gt; &lt;div class=&#034;cs_sommaire_corps&#034;&gt; &lt;ul&gt; &lt;li&gt;&lt;a title=&#034;1&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_0'&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a title=&#034;2&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_1'&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a title=&#034;3&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire_2'&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/li&gt; &lt;/ul&gt; &lt;/div&gt; &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Cet article a d&#233;j&#224; paru dans&lt;/i&gt; Beitr&#228;ge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 8 (2007), Heft 3 . &lt;i&gt;Nous remercions Cathrin Nielsen de nous voir permis de la reproduire ici.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Oktober 1887, also knapp zwei Jahre vor seinem geistigen Zusammenbruch, schreibt Nietzsche an Hermann Levi in M&#252;nchen : &#8222;Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade im Grund so sehr Musiker war, wie ich es bin&#8220;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Nietzsche : S&#228;mtliche Briefe. Kritische Studienausgabe, hg. von (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Wenig sp&#228;ter vertraut er seinem engen Freund Heinrich K&#246;selitz alias Peter Gast an : es gibt &#8222;Nichts, was mich eigentlich mehr &lt;i&gt;angienge &lt;/i&gt; als das Schicksal der Musik&#8220; (KSB 8, 275). Und immer wieder finden wir in Nietzsches Nachlass, wie auch in seinen Briefen, den Satz : &#8222;Ohne Musik w&#228;re das Leben ein Irrthum&#8220; (KSB 8, 280 u. &#246;.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wenn wir einmal davon absehen, dass Nietzsche, wie der eine oder andere auch, eine Affinit&#228;t zur Musik besa&#223;, dass er selbst komponierte, dass er sein Denken eine gewisse Zeit ganz in den Dienst der Wagnerschen Musik stellte, gegen die sp&#228;ter sein Fu&#223;, sein Blutlauf, seine ganzen Eingeweide revoltieren sollten, wie er schreibt,&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. Friedrich Nietzsche : Nietzsche contra Wagner, in : Kritische (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;und der dem haltlosen Meer der Wagnerischen Opern schlie&#223;lich Bizets &lt;i&gt;Carmen &lt;/i&gt; vorzog ; wenn wir einmal von diesen biographischen Tatsachen absehen &#8211; was bedeutet es, wenn Nietzsche schreibt, er sei &lt;i&gt;als ein Philosoph&lt;/i&gt; &#8222;im Grunde&#8220; Musiker, es gebe nichts, was ihn als einen Philosophen mehr &#8222;angienge&#8220; als das &#8222;Schicksal der Musik&#8220;, denn ohne die Musik sei das Leben schlechthin &#8222;ein Irrthum&#8220; ? Wie ist diese ausdr&#252;cklich philosophische N&#228;he, ja Radikalit&#228;t der Hinwendung zur Musik zu verstehen ? Ist nicht die Musik der Philosophie gerade darin entgegengesetzt, dass sie sich der philosophischen Explizierbarkeit in einem Gef&#252;ge von Gr&#252;nden, von Begriffen und argumentativen Zusammenh&#228;ngen entzieht ? Die Musik nennt unserem Ohr niemals Gr&#252;nde. Es w&#228;re absurd, den in einen Moment der Zeit ausgebreiteten Klang mit dem allgemeinen Begriff in Verbindung zu bringen. Und wo und f&#252;r was b&#246;te die musikalische Phrase ein Argument ? Die Ohnmacht der philosophischen Vernunft vor dem Anspruch der Musik, oder anders herum formuliert : die Unm&#246;glichkeit der scheinbar allein dem subjektiven &lt;i&gt;Empfinden &lt;/i&gt; &#252;berantworteten Musik, &#252;berhaupt in den Bereich des Begriffs vorzudringen, ist offenbar evident. Die Tradition hat dieser inneren Unvers&#246;hnlichkeit auch, angefangen bei Platon, &#252;ber Aristoteles, Kant und Hegel, immer wieder erneut Ausdruck verliehen, bis hin zu Heidegger, der einmal beim H&#246;ren einer Sonate von Schubert lakonisch bemerkt haben soll : &#8222;&lt;i&gt;Das &lt;/i&gt; k&#246;nnen wir mit der Philosophie nicht.&#8220; Im Folgenden m&#246;chte ich versuchen, mich dieser scheinbaren Unvers&#246;hnlichkeit, dem Affront, den Philosophie und Musik f&#252;reinander darstellen, sowie Nietzsches spezifischer Antwort auf diesen Affront, zu n&#228;hern.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_0&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;1&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Beginnen wir zun&#228;chst mit einer Unterscheidung, der traditionellen Unterscheidung des Sehens vom H&#246;ren oder des Auges vom Ohr. Gem&#228;&#223; dieser Unterscheidung soll das Auge n&#228;mlich eine gr&#246;&#223;ere Affinit&#228;t zum Begriff und damit zum philosophischen Wissen haben als das H&#246;ren &#8211; eine Behauptung, auf die auch Nietzsche implizit zur&#252;ckgreift, wenn er schreibt : &#8220;Das Auge trennt, das H&#246;ren verbindet&#8220; (KSA 7, 547). Inwiefern ist das Sehen ein trennender, zergliedernder, analytischer Sinn, das H&#246;ren dagegen verbindend ? Und was hat diese behauptete Distanzierungsleistung des Sehens mit der Genese des Begrifflichen zu tun ? In seiner &lt;i&gt;Anthropologie &lt;/i&gt; schreibt Kant im Zusammenhang der Behandlung der Sinne, das Sehen sei deshalb der &#8222;edelste&#8220; Sinn, weil sich hier das &#8222;Organ&#8220;, also das Auge, &#8222;am wenigsten affiziert f&#252;hlt&#8220;, und damit einer reinen Anschauung seines Gegenstandes &#8222;n&#228;her&#8220; komme als alle anderen Sinne.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Immanuel Kant : Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, hg. von Reinhard (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Im H&#246;ren dagegen sei uns eine der Anschauung gegebene Gestalt nicht gegeben. Und weil dem H&#246;ren der Zugang zu einer solchen Gestalt fehlt, fehlt ihm auch die M&#246;glichkeit zum Begriff, weshalb die Musik letztlich, wie Kant fortf&#228;hrt, &#8222;gleichsam eine Sprache blo&#223;er Empfindungen (ohne alle Begriffe) ist&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 18).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt; Das Sehen soll also darin den Vorrang vor dem H&#246;ren haben, dass es die am wenigsten &lt;i&gt;ber&#252;hrte&lt;/i&gt;, von irgendwelchen Affekten oder Empfindungen freieste Sinnest&#228;tigkeit ist. Es hat nach Kant die F&#228;higkeit, bei &lt;i&gt;sich &lt;/i&gt; zu bleiben, w&#228;hrend wir beim Riechen, Schmecken, Tasten oder eben beim H&#246;ren in einem viel st&#228;rkeren Ma&#223;e affiziert, ja buchst&#228;blich in die Ber&#252;hrung hineingezogen werden. Das Auge dagegen nimmt, um zu sehen, Abstand, denn nur wenn es gleichsam einen Schritt zur&#252;ck tut, ist es in der Lage, einen Gegenstand in seiner ruhenden, seiner r&#228;umlichen &#8222;Gestalt&#8220; zu erfassen. Bliebe das Sehen abstandslos, w&#252;rde das Auge sich also nicht so weit von seinem Gegenstand entfernen, bis es an einem Umriss, einem &#8222;Object&#8220;, wie Kant sagt, zu Ruhe kommt, bliebe es ebenso gestalt- und begrifflos wie das H&#246;ren, ein flirrender, in den Moment gebundener Wirbel von Licht, Schatten und Farbe. Es gliche etwa dem Zustand, in den man ger&#228;t, wenn man aus einem abgedunkelten Raum in das glei&#223;ende Sonnenlicht tritt : Das Auge ist f&#252;r einen Moment lang so geblendet, dass man im eigentlichen Sinne nichts sieht. Diese Total-Affektion hat Kant im Blick, wenn er schreibt, dass jede Form der &#228;u&#223;eren Vorstellung zusammenbricht, wenn die Empfindung so stark wird, dass sich das Bewu&#223;tsein nur noch auf die &lt;i&gt;Ber&#252;hrung selbst&lt;/i&gt;, in diesem Fall auf den Angriff des Lichtes auf das Auge, richten kann, und die &#8222;Beziehung auf ein &#228;u&#223;eres Object&#8220;, wie er sagt, also auf einen von mir unterschiedenen Gegenstand, unm&#246;glich geworden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Der Vorgang des Sehens impliziert also gewisserma&#223;en einen &#220;bersprung der inneren Affektion in eine &#228;u&#223;ere Vorstellung, anhand derer das Sehen erst im eigentlichen Sinne zum &lt;i&gt;Sehen&lt;/i&gt;, n&#228;mlich zum Sehen-eines-&lt;i&gt;Etwas &lt;/i&gt; wird. Die M&#246;glichkeit des Begriffs beruht auf dieser &#220;bersprungsleistung insofern, als jeder Begriff ein Etwas, eine f&#252;r sich umrissene Gestalt und mit ihr verbunden die Distanz voraussetzt. Sich von Etwas einen Begriff machen kann man n&#228;mlich nur, wenn man dieses Etwas aus der Konstellation des Augenblicks herausnimmt und &#252;ber den Moment hinaus festh&#228;lt, sozusagen als bereits verarbeitete Sinneserfahrung apriorisch in sich verankert. Derjenige dagegen, der sich immer neu vom Spiel der Lichter, Schatten und Farben, vom willk&#252;rlichen Andrang der T&#246;ne, vom dunklen Widerstand des Getasteten, und das hei&#223;t von seiner kontingenten Sinnesempfindung mitrei&#223;en l&#228;sst, kommt, wie Kant kategorisch formuliert, weder zum Objekt noch zum Begriff.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Das Sehen ist als eine solche abst&#228;ndige Sinnesleistung zugleich mit dem Begriff des Raumes verkn&#252;pft. Das R&#228;umliche an der &#228;u&#223;eren Vorstellung bedeutet zun&#228;chst einmal das Moment ihrer &lt;i&gt;Ruhe&lt;/i&gt; ; sie zehrt davon, dass das unruhevolle Hin und Her unserer Affektivit&#228;t, und tiefer gesehen die absolute Unruhe der &lt;i&gt;Zeit&lt;/i&gt;, in ihr gleichsam aufgehoben sind. Sie sind zwar nicht v&#246;llig negiert, aber doch so weit vergleichg&#252;ltigt, dass sie uns in Form einer geschlossenen Gestalt gegen&#252;ber treten k&#246;nnen. Sobald eine Sache ein Gesicht bekommt (aus einem Abstand heraus gesehen werden kann), verliert sie ihre ausschlie&#223;liche Macht. Nietzsche spricht an einer Stelle von dem &#8222;indifferenten&#8220; oder &#8222;schmerzlosen Punkt&#8220; (KSA 7, 164 f.), von dem aus allein wir den Sprung aus dem unruhevollen Strom von Zeit und Empfindung in eine solche r&#228;umliche Vorstellung leisten k&#246;nnen. Mit diesem Punkt wird die Zeit respektive die Empfindung nicht nur negiert, sie wird auch greifbar. Und zwar deswegen, weil wir sie in der &#220;bersetzung in den Raum verbildlicht, ihr ein Antlitz gegeben haben. Die Zeit, vom Raum her gesehen, ist jetzt nichts anderes als eine Linie, eine fortgesetzte Aneinanderreihung von solchen schmerzlosen Punkten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;i&gt;Wie &lt;/i&gt; jedoch dieser Sprung in den Raum &#252;berhaupt m&#246;glich ist, das hei&#223;t, wie und warum die Zeit gleichsam angehalten und in eine stehende Gegenwart &#252;bersetzt werden kann, bleibt im Dunklen. Und zwar nicht zuletzt deswegen, weil der Sprung in das R&#228;umliche sich im Vollzug gleichsam verschlie&#223;t und darin zu einem Immer-schon-gewesenen wird. In gewissem Sinne greifen wir im Bild stets auf diesen &#8218;Fluchtpunkt' als das durchg&#228;ngig Bleibende und Versammelnde zur&#252;ck. Er bildet das Moment, in dem wir im h&#246;chstm&#246;glichen Ma&#223;e ber&#252;hrungslos geworden sind, sozusagen das Ur-Atom, das in sich fest verschlossene, abgerundete, schlechthin nicht mehr tangierbare &lt;i&gt;atomon &lt;/i&gt; all unserer weiteren, darauf aufbauenden Vorstellungen. Weil auf diese Weise unser eigentlich dem unaufhaltsamem Strom der Zeit ausgesetztes Empfinden in sich auf etwas zur&#252;ckgreifen kann, was bleibt, ja was sogar, wie der unendlich auf &lt;i&gt;sich &lt;/i&gt; zur&#252;ckverweisende Punkt, immer schon &lt;i&gt;gewesen &lt;/i&gt; sein muss, um dieses Bleiben &#252;ber den Moment hinaus zu gew&#228;hrleisten, kann man davon sprechen, dass wir dort, wo wir die unmittelbare Empfindung verlassen, in ein eigent&#252;mlich mit dem sichtbaren Raum verschlungenes Perfekt eintreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Das rationale Denken steht in Europa deswegen unter der Vorherrschaft des Auges, weil in ihm diese &lt;i&gt;Apriorit&#228;t &lt;/i&gt; unseres ganzen Seins, die streng genommen auf einem nicht mehr explizierbaren j&#228;hen &#220;bersprung von der Zeit in den Raum, von der Empfindung in die Vorstellung, basiert,&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In Nietzsches ber&#252;hmtem Fragment &#220;ber Wahrheit und L&#252;ge im aussermoralischen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; am klarsten hervortritt. Die Philosophie nennt diese Apriorit&#228;t seit jeher die Vernunft. Nur durch seine innere Intellektualit&#228;t, seine intime N&#228;he zum Raum, gewinnt das Auge der Vernunft den notwendigen Abstand zu den Dingen, was zugleich bedeutet, dass es Abstand gewinnt von jener abgr&#252;ndig verschlingenden Affektivit&#228;t, die ihm vorausgeht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wie verh&#228;lt es sich dagegen beim H&#246;ren ? Auch das H&#246;ren, so k&#246;nnte man zun&#228;chst einwenden, ist immer ein H&#246;ren-von-Etwas. Man h&#246;rt nicht schlechthin, sondern man h&#246;rt eine zuschlagende T&#252;r, ein Martinshorn, einen Amselruf, einen Satz. N&#228;her besehen erweist sich jedoch dieses intentionale, also bestimmte H&#246;ren als vermittelt durch das Sehen, genauer durch das innerlich schon Gesehen-Haben dessen, was eine T&#252;r, ein Martinshorn, eine Amsel jeweils sind. Wir haben, wenn wir h&#246;ren, schon immer etwas vor Augen, zwar nicht faktisch, aber ideell (das Wort Idee hat eine optische Wurzel, es kommt von griechisch &lt;i&gt;ide&#238;n&lt;/i&gt; : erblicken, erkennen). Man hat also bereits einen Begriff von der Sache, und in dieser Hinsicht scheint das H&#246;ren jene Distanzierungsleistung, die im Sehen offenkundig wird, und die allein erlaubt, dass sich die Dinge in einem klaren Licht zu erkennen geben, schon zu implizieren. Auch die Sprache zeigt sich von hier als ein Ph&#228;nomen, in dem Sehen und H&#246;ren, Bild und Laut, schon immer eine ganz bestimmte Verbindung eingegangen sind. Das Wort &#8218;Amsel' vernehme ich nicht lediglich als einen Laut, sondern ich greife im Zuge des H&#246;rens auf das durch die &#228;u&#223;ere Vorstellung vermittelte innere Bild, den Begriff, den Umriss, die Idee dieses schwarzen Vogels zur&#252;ck. (Die Schlichtheit dieses Satzes sollte freilich nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass dieser &#8218;R&#252;ckgriff' mit zum R&#228;tselhaftesten im Skelett unserer Sinnlichkeit geh&#246;rt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
An eine gewisse &lt;i&gt;Grenze &lt;/i&gt; dieser optischen Vermitteltheit ger&#228;t das H&#246;ren jedoch bei Worten, die wir nicht verstehen, oder bei Ger&#228;uschen, die wir nicht zuordnen k&#246;nnen. Hier wird das Ohr (mit Kants Worten) von der Bezugnahme auf ein &#228;u&#223;eres Objekt zur&#252;ckgeworfen auf das Gewahren der &#8222;Bewegung des Organs&#8220;, das hei&#223;t die akustische Affektion selbst. Das &lt;i&gt;Horchen&lt;/i&gt;, wie man die intensivierte Form des H&#246;rens auch nennen k&#246;nnte, ist ohne Idee, ohne Schon-Gesehen-Habendes, sondern ganz und gar auf das, was es in Beschlag nimmt, ge&#246;ffnet. Eben diese &#220;berantwortung an einen Anspruch, der unsichtbar bleibt, und der uns zu distanzlos Horchenden macht, der uns der Ber&#252;hrung selbst unterwirft, tritt am reinsten in der &lt;i&gt;Musik &lt;/i&gt; hervor. Das Material der Musik ist nicht die Gestalt, sondern der Klang und die Zeit, nicht der Punkt, sondern die in sich erzitternde Schwingung. Um hier wirklich zu h&#246;ren, darf man sich nicht an die Erscheinung heften, weil sich sonst das, was die Musik zu dem macht, was sie ist, n&#228;mlich eine Organisation der &lt;i&gt;Zeit&lt;/i&gt;, nicht des Raumes, wie das Bild, entzieht. In der Musik tritt die Bewegung der affektiven Sinnlichkeit also nicht hinter der Bezugnahme auf eine &#228;u&#223;ere Vorstellung zur&#252;ck, sondern sie &#246;ffnet sich unmittelbar, ohne irgendeine &#220;berbr&#252;ckung durch das Objekt (das Entgegengeworfene : &lt;i&gt;ob-jectum&lt;/i&gt;), auf die innere, nicht in den Raum &#252;bersetzte, und damit in gewissem Sinne vor-weltliche Natur der Zeit. Wenn wir Kants Worte zum Sehen umgekehrt auf das H&#246;ren beziehen wollten, w&#228;re also jetzt das H&#246;ren der &#8222;edelste&#8220; Sinn, weil sich hier das &#8222;Organ&#8220;, also das Ohr, &#8222;am meisten affiziert f&#252;hlt&#8220;, und sich damit von der Anschauung seines Gegenstandes, von der distanzierten Versenkung in seine Gestalt, seinen Umriss, so weit wie m&#246;glich entfernt. Je mehr man sich im H&#246;ren jedoch von der Vorstellung konkreter Dinge entfernt, je mehr sie ihren Umriss verlieren und verschwimmen, je mehr das Ohr also &#8222;verbindet&#8220;, wie Nietzsche sagt, wo das Auge &#8222;trennt&#8220;, desto mehr versinkt auch jene Grenze zwischen Innen und Au&#223;en oder zwischen Subjekt und Objekt, die f&#252;r das Sehen und das am Sehen orientierte Denken konstitutiv ist. Die durch das Ohr eindringenden Rhythmen und Kl&#228;nge bewegen zuletzt nicht nur das Ohr als einzelnes Organ, sondern sie erfassen die gestaltlose Lebendigkeit des Innern &#252;berhaupt. Sie zerfahren die allt&#228;glich gelebten, am Anschaulichen gebildeten Ordnungen, und setzen sie zur&#252;ck in das ziel- und endlose Hin und Her unserer affektiven Sinnlichkeit. Es ist ihre im reinen T&#246;nen erzitternde Materialit&#228;t, die der Musik von Anfang an den Zutritt zum Reich des Begriffs verwehrt. Wo die Musik an das Gestaltlose und damit auch Unvermittelbare f&#252;r den allgemeinen Gedanken anst&#246;&#223;t, erlischt traditionell ihre Relevanz f&#252;r die Philosophie.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_1&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;2&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Nietzsche nun stellt diese traditionelle Hierarchie der Sinne bzw. die Rangordnung von Begriff und Musik auf den Kopf &#8211; oder auf die F&#252;&#223;e, je nachdem &#8211;, wenn er schreibt : &#8222;Die Sprache, als Organ und Symbol der Erscheinungen, [kann] nie und nirgends das tiefste Innere der Musik nach au&#223;en kehren, sondern bleibt immer, sobald sie sich auf Nachahmung der Musik einl&#228;sst, in einer nur &#228;usserlichen Ber&#252;hrung&#8220; (KSA 1, 51) befangen. Nicht die Musik versagt hier im Angesicht der begrifflich transparenten Welt der Erscheinungen, sondern umgekehrt : der Begriff vermag als ein blo&#223;es Werkzeug der Erscheinungen das Wesen der Musik nur ganz &lt;i&gt;&#228;u&#223;erlich&lt;/i&gt;, wenn &#252;berhaupt, zu ber&#252;hren. Er ist gerade aufgrund seiner veranschaulichenden Struktur, seiner Verfangenheit in das distanziert &lt;i&gt;Optische&lt;/i&gt;, ohnm&#228;chtig, das Innere der Musik zu erfassen. Mit einem Mal tritt also die Musik an die Stelle des inneren &lt;i&gt;Wesens &lt;/i&gt; der Welt, wohingegen der traditionell der Erfassung dieses Wesens zugeordnete Begriff zu einem in sich beschr&#228;nkten, der Welt der blo&#223;en Erscheinungen zugeordneten Instrument herabsinkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Um diese bekanntlich bei Schopenhauer vorbereitete Umkehrung zu verdeutlichen, m&#246;chte ich im folgenden den &lt;i&gt;Rhythmus &lt;/i&gt; behandeln als eine von Nietzsche der abendl&#228;ndischen Dominanz des Optischen entgegengestellte Weise, die Zeit, genauer ihre rhythmische Artikulation, zum Grund unseres Selbst- und Weltverh&#228;ltnisses zu nehmen. Nach dem oben Zitierten soll also die Musik dem Begriff und der in ihm bewahrten Erscheinung darin &#252;bergeordnet sein, dass sie in einer elementareren Weise an unsere innere, unmittelbar mit der Zeiterfahrung verkn&#252;pfte Lebendigkeit r&#252;hrt als der Begriff. Diese vorver&#228;u&#223;erte Lebendigkeit nennt Nietzsche in Anlehnung an Schopenhauer auch den &lt;i&gt;Willen&lt;/i&gt;. Er schreibt : &#8222;Was thut die Musik ? Sie l&#246;st eine Anschauung in Willen auf. Sie enth&#228;lt die allgemeinen Formen aller Begehrungszust&#228;nde : sie ist durch und durch Symbolik der Triebe, und als solche in ihren einfachsten Formen (Takt, Rhythmus) durchaus und jedermann verst&#228;ndlich&#8220; (KSA 7, 23). Was tut also die Musik ? Sie &#252;bersetzt die Welt der &#228;u&#223;eren Erscheinungen, also jene Welt, in der wir sicher herumgehen, in der wir ein oben und unten, ein rechts und links, ein hinten und vorne, ein fr&#252;her und sp&#228;ter usw. kennen, in der wir Dieses von Jenem unterscheiden und uns selbst darin positionieren k&#246;nnen, das hei&#223;t die Welt, von der wir uns einen Begriff gemacht haben und die darin anschaulich vor uns liegt, diese Welt l&#246;st sie &#8222;in Willen&#8220; auf. Was &#8222;Willen&#8220; ist, erl&#228;utert Nietzsche hier nicht weiter, aber er f&#252;gt verdeutlichend hinzu : &#8222;Begehrungszust&#228;nde&#8220; bzw. &#8222;Triebe&#8220;. In der Regel treten einem das Begehren, das Wollen, die Triebe als bestimmte entgegen : man will oder begehrt Dieses oder Jenes, es treibt einen Hierhin oder Dorthin usw. &#8211; die Affekte haben also ein Gesicht in Form von Leidenschaften, gerichteten Begierden und Bed&#252;rfnissen und f&#252;hren damit zugleich ein Sammelsurium an bestimmten M&#246;glichkeiten mit sich, sie zu befriedigen. Sofern aber die Musik die Anschauung &#8222;aufl&#246;st&#8220;, wie Nietzsche sagt, tritt auch die Bestimmtheit dieser Willensbekundungen in den Hintergrund. &#196;hnlich wie oben beim Horchen beschrieben, in dem wir nichts Anschauliches mehr vor Augen haben, ist auch das &#8222;Wollen&#8220;, das sich in der Musik auftut, ein von der Welt der Erscheinungen her unbestimmtes, richtungsloses, nur auf sich selbst als reine Bewegtheit gerichtetes Wollen. Als solches ist es &#8222;jederman verst&#228;ndlich&#8220;, das hei&#223;t, es ist keiner weiteren Begr&#252;ndung bed&#252;rftig (oder sogar f&#228;hig). Allerdings soll dieses Wollen in der Musik nicht ordnungslos schlechthin sein, sondern seinerseits durch &#8222;Symbolik&#8220;, also durch &#8222;allgemeine Formen&#8220;, von denen der &#8222;Takt&#8220; und der &#8222;Rhythmus&#8220; die &#8222;einfachsten&#8220; sein sollen, bestimmt. Wie ist diese formale Symbolik, die nicht f&#252;r das Auge ist, also optisch vermittelt, sondern &#252;ber so etwas wie rhythmische oder metrische Verh&#228;ltnisse, genauer zu verstehen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
In einer Nachlassnotiz aus den siebziger Jahren spricht Nietzsche in Bezug auf die musikalische Rhythmik auch von &#8222;'Intermittenzformen' des Willens&#8220; (KSA 1, 574). Lateinisch &lt;i&gt;intermittere &lt;/i&gt; bedeutet so viel wie &#8218;aussetzen', &#8218;unterbrechen'. In der Musik bleibt das Wollen bzw. die Affektivit&#228;t nicht vollst&#228;ndig bei sich, sondern ist in sich &#8222;intermittiert&#8220;, gewisserma&#223;en in sich unterbrochen, wenn auch in einem anderen Sinne als durch die &#220;bersetzung ins R&#228;umlich-Optische, die mittels des Auges, das dann zum Auge des Geistes wird, stattfindet. W&#228;hrend die Distanz dort n&#228;mlich durch eine &lt;i&gt;Entfernung &lt;/i&gt; vom Affekt zustande kommt, verbleibt jene Unterbrechung hier im Bereich der Affektivit&#228;t, genauer : sie entspringt dem in die Zeit ausgebreiteten Spiel der Willensregungen von Lust und Unlust. Dieses Willensspiel zwischen Lust und Unlust als eines von Dynamik und Intermittenz beschreibt Nietzsche folgenderma&#223;en : &#8222;Die Lust ist eine Art von Rhythmus in der Aufeinanderfolge von geringeren Schmerzen [...], eine &lt;i&gt;Reizung &lt;/i&gt; durch schnelle Folge von Steigerung und Nachlassen, wie bei der Erregung eines Nerven [...], und im Ganzen eine aufw&#228;rts sich bewegende Curve : [...]. Die Unlust ist [dagegen] ein Gef&#252;hl bei einer Hemmung&#8220; (KSA 11, 222). Bei der Lust handelt es sich also um einen Zustand der &#8222;Erregung&#8220;, genauer : einen Zustand der fortw&#228;hrend gereizten und darin unabl&#228;ssig sich in sich selbst vertiefenden Affektion. Ihr innerer Rhythmus kennt nur ganz geringf&#252;gige Grade der Hemmung, n&#228;her besehen nur solche, die dazu dienen, die rasche, nie in die Bewusstheit &#252;bertretende Aneinanderreihung von Anschwellen und Zur&#252;cksinken immer weiter zu intensivieren. Die Lust ist in ihrem Wesen unumgrenzt, sie hat die Tendenz, alle Formen der Endlichkeit gleichsam mit sich mitzurei&#223;en und sich ins Unendliche auszustr&#246;men. Jeder Widerstand f&#252;hrt hier allein dazu, das potenziell ins Unendliche ausgreifende Anschwellen dieser Erregung nicht erlahmen zu lassen, was zugleich bedeuten w&#252;rde : sie im Hinblick auf irgend etwas zur Gestalt zu bringen. Dieses dem reinen Vorw&#228;rtsdr&#228;ngen der Lust entgegengesetzte &#8218;Irgendetwas' k&#246;nnte &#8211; als Beispiel &#8211; beim K&#252;nstler der Punkt bedeuten, von dem die Dimensionalit&#228;t eines Bildes ihren Ausgang nimmt, oder beim Musiker der erste, sich einstellende Widerstand im Klanglichen, aus dem die Melodie geboren wird, oder wieder anders im Geschlechtlichen die Zeugung eines Kindes, in dem sich die Lust ein Gesicht verschafft. Sofern dieser Tendenz auf Entgrenzung, der potenziell unendlichen &#8222;Curve&#8220; nach aufw&#228;rts, jedoch &lt;i&gt;nichts &lt;/i&gt; entgegengesetzt wird, verwandelt sie sich in eine t&#246;dliche &lt;i&gt;Negativit&#228;t &lt;/i&gt; &#8211; Kant zumindest formuliert im Blick auf diese Tendenz den auf den ersten Blick paradoxen Gedanken, dass aus einer ungehinderten, &#8222;kontinuierlichen Bef&#246;rderung der Lebenskraft&#8220; ein &#8222;schneller Tod vor Freude&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 60) folgen w&#252;rde. In der tiefen Intensit&#228;t oder &lt;i&gt;Abstandslosigkeit &lt;/i&gt; der Lust gegen sich selbst liegt n&#228;mlich, dass sie nicht &#8222;th&#228;tig&#8220; wird, das hei&#223;t, dass sie aufgrund des fehlenden Widerstandes keine Notwendigkeit versp&#252;rt, jene Form der &#220;bersetzungsleistung zu vollbringen, die die Grundbedingung aller organischen Lebendigkeit darstellt. Die Lust als &#8222;Kitzel&#8220; bleibt ihrer Tendenz nach ebenso &#8222;unth&#228;tig&#8220; wie gesichtslos, so gesichtslos, dass Nietzsche zuletzt fragen kann : &#8222;Was ist Lust [eigentlich], wenn nur das Leiden&#8220;, das hei&#223;t jene Erfahrung des &lt;i&gt;Widerstandes&lt;/i&gt;, &#8222;positiv ist ?&#8220; (KSA 7, 216). Ist die reine, ununterbrochene Lust zuletzt nicht anderes als Hegels in Bezug auf die absolute Freiheit formuliertes Wort von der &#8218;Furie des Verschwindens' ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Der Schmerz oder die Hemmung dagegen sind n&#228;mlich &#8222;positiv&#8220; darin, dass das Leben sich hier, wie Nietzsche sagt, &#8222;bewu&#223;t werden kann&#8220;. Alles organische, und das hei&#223;t, alles gerichtete, gebundene Leben hat in sich eine Art Instinkt nach Widerstand, weil nur die Hemmung, das Einhalt-Gebieten jenes gesichtslosen, &#252;berschie&#223;enden Lustgef&#252;hls Leben als einen Zusammenhang von bestimmten Bewegungen, also das &lt;i&gt;Organische &#252;berhaupt&lt;/i&gt; hervortreten l&#228;sst. Ohne Schmerz verbleibt das Leben im Zustand der Indifferenz befangen &#8211; dies bedeutet eben jener von Kant ins Spiel gebrachte &lt;i&gt;t&#246;dliche &lt;/i&gt; Aspekt der Lust.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Jeder Rhythmus als eine sich umschlie&#223;ende Bewegung gr&#252;ndet somit auf einem sich dieser urt&#252;mlichen Lustbewegung entgegenstellenden Moment der &lt;i&gt;Hemmung&lt;/i&gt;. Im Gef&#252;hl des Widerstandes, der einen Bruch der potenziell unendlich mit sich selbst befassten Lust darstellt, tritt das Leben zu sich selbst in einen Bezug ; daher beginnt der Mensch sich bereits in seinen ersten Lebensstunden von seiner vergangenheitslosen (ungebundenen) Indifferenz und Offenheit wegzuarbeiten, das hei&#223;t, jenen perfektiven, apriorischen Raum in sich einzubilden, der ihn zu einem diskontinuierlichen Individuum macht. Der Proze&#223; der Individuation w&#228;re demnach zuletzt so etwas wie ein zunehmend in sich verbundener Komplex schmerzhafter &#8222;Unterbrechungen&#8220; ; ohne solche bliebe das Leben gewisserma&#223;en im Anorganischen befangen &#8211; deshalb f&#228;hrt Nietzsche fort : &#8222;Es giebt einen Willen zum Leiden im Grunde alles organischen Lebens&#8220; (KSA 11, 222).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Die &#8222;Intermittenzformen&#8220;, deren einfachste der Takt und der Rhythmus sein sollen, sind also dadurch charakterisiert, dass sie die kontinuierliche, ungestillte Bewegung nach vorn &#8211; mit anderen Worten die Zeit &#8211; gewisserma&#223;en anhalten und in einen Moment der bestimmten Dauer &#252;berf&#252;hren. Das griechische Wort &lt;i&gt;rhythmos &lt;/i&gt; bedeutet zun&#228;chst lediglich das Moment der Distinktion und impliziert darin so etwas wie die Abstandnahme einer einf&#246;rmigen Bewegung von sich selbst. Das Leben in seiner Vieldeutigkeit, seinen &#220;berg&#228;ngen und Schattierungen w&#228;re nicht m&#246;glich, wenn es nur &lt;i&gt;eine &lt;/i&gt; Bewegungsrichtung g&#228;be, die nach vorn. So w&#228;re beispielsweise das Ph&#228;nomen der Erinnerung, das elementar ist f&#252;r jede Form gegliederter Zeitlichkeit, ohne eine Bewegung, die sich dem reinen Str&#246;men entgegenstellte, die aus ihm gewisserma&#223;en zur&#252;ckschnellte, unm&#246;glich. Es ist dieses Widerspiel, was in der Musik zutage tritt, denn einem gewissen Sinn ist Musik nichts anderes als aufeinander zugeordnete Bewegung, und das bedeutet zugleich : auf einander zu geordnete Zeit. Und weil allein diese Zuordnung etwas bewu&#223;t werden l&#228;sst, kann Nietzsche sagen, der Rhythmus sei tiefer besehen eine &#8222;Form des Werdens, &#252;berhaupt die &lt;i&gt;Form der Erscheinungswelt&lt;/i&gt;&#8220; (KSA 7, 523).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Gegensatz zu Schopenhauer (und an ihn ankn&#252;pfend Richard Wagner) tritt in der Musik also f&#252;r Nietzsche &lt;i&gt;nicht &lt;/i&gt; der Wille in seiner reinen, ungebrochenen Form in Erscheinung ; in ihr spricht sich vielmehr eine bestimmte und zwar fundamentale Organisation unserer Sinnlichkeit und damit unseres ganzen Seins aus. &#8222;Der Mensch ist ein &lt;i&gt;rhythmen-bildendes Gesch&#246;pf&lt;/i&gt;&#8220;, hei&#223;t es im Nachla&#223; der achtziger Jahre, das Rhythmenbilden ist &#8222;seine Art, sich der &#8218;Eindr&#252;cke' zu bem&#228;chtigen&#8220; (KSA 10, 651). Er bem&#228;chtigt sich der Eindr&#252;cke dabei nicht, oder zumindest nicht zuerst, mittels des in der Tradition favorisierten Distanzsinnes eines einzigen Organs, des Auges, sondern durch Artikulation seiner ganzen Leiblichkeit und jener sie durchherrschenden Vitalit&#228;t, die formal betrachtet nichts anderes darstellt als ein Widerspiel von Dynamik und Intermittenz, von Lust und Schmerz, oder wieder anders gewendet, von Ausstr&#246;men und Gehemmtwerden, von offener und gebundener Zeit. Die zwei, wie Nietzsche sagt, &#8222;anthropomorphischen Haupt&#228;u&#223;erungen&#8220;, n&#228;mlich der &#8222;Gang&#8220; und die &#8222;Sprache&#8220;, geben davon unmittelbar Zeugnis. Ob der Gang ein freies Ausschreiten ist, ein z&#246;gerndes Taumeln oder ein wirbelnder Tanz, verr&#228;t etwas von der Weise der in ihm gegliederten Zeit. Das Tempo, der Tonfall, die Rhythmik und F&#228;rbung des Sprechens, ob es ein Stammeln ist oder ein Befehl, Beschw&#246;rung oder Gesang, weist &#252;ber die informative Begrifflichkeit eines Satzes hinaus auf den affektiven, vorbegrifflichen Untergrund alles Sprechens : &#8222;Alle Lust- und Unlustgrade &#8211; &#196;u&#223;erungen eines uns nicht durchschaubaren Urgrundes &#8211; symbolisiren sich im Tone des Sprechenden&#8220; (KSA 7, 360). Lange bevor sich der Mensch also als ein animal rationale, als ein mit dem Auge der Vernunft ausgestattetes Lebewesen etabliert, ist er in der Vielzahl seiner artikulierten Lebensformen, in seiner ganzen Bewegungs&#246;konomie, eine, wie Nietzsche sagt, &#8222;&lt;i&gt;Erscheinung der Musik&lt;/i&gt;&#8220; (KSA 7, 317).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Wie verh&#228;lt sich diese tonale und rhythmische, auf unsere Affektivit&#228;t zur&#252;ckweisende Symbolik der Musik nun genauer zum Begriff ? Ist nicht auch sie demnach gegliedert, durch Differenzierungsleistungen artikuliert und darin vorstellend oder zumindest darstellend ? Unterl&#228;uft Nietzsche damit nicht jenen urspr&#252;nglich anvisierten Aufl&#246;sungscharakter der Musik, ihre Radikal-Entgrenzung und damit &#228;u&#223;erste Entfernung vom Bilder schaffenden Auge und dem dieser Verbildlichung entspringenden Begriff ? Ja und Nein. &lt;i&gt;Ja&lt;/i&gt;, insofern er gegen Schopenhauer einwendet, dass &#8222;auch das gesammte Triebleben, das Spiel der Gef&#252;hle Empfindungen Affekte Willensakte [...] uns [...] bei genauester Selbstpr&#252;fung nur als Vorstellung, nicht seinem Wesen nach, bekannt&#8220; (KSA 7, 361) ist. Die Trennung zwischen einer Welt des Willens, die sich in der Musik ad&#228;quat zur Erscheinung bringt, und einer durch das &lt;i&gt;principium individuationis&lt;/i&gt; gezeichneten Welt der Vorstellung, ist f&#252;r das Leben nicht haltbar, aus dem einfachen Grund, weil wir die Vorstellung im basalen Sinne einer ersten Gliederung der Zeit, nicht loswerden k&#246;nnen, &lt;i&gt;ohne uns selbst loszuwerden&lt;/i&gt;. Nicht nur das Auge symbolisiert, auch das Ohr bzw. der Vitalsinn &#252;berhaupt als Antagonismus von Unlust und Lust ist nicht affektiv schlechthin, sondern sch&#246;pferisch in dem Sinne, dass er die Eindr&#252;cke rhythmisiert, dass hei&#223;t, sich ihrer durch das Widerspiel von Aneignung und Widerstand bem&#228;chtigt. Die Symbolik f&#252;r das Auge, oder das Bild, ist von der Symbolik f&#252;r das Ohr, dem Rhythmus, jedoch f&#252;r Nietzsche auf der &lt;i&gt;anderen &lt;/i&gt; Seite dadurch unterschieden, dass das Bild auf einer Negation der Zeit bzw. der Affektivit&#228;t basiert, w&#228;hrend der Rhythmus in gewissem Sinne ein Produkt der Zeit selbst darstellt. Mit anderen Worten : die Rhythmik &lt;i&gt;&#252;ber&lt;/i&gt;springt ihre Herkunft (die affektive Bewegung) nicht, sie entspringt der Bewegung und wendet sich gliedernd auf sie zur&#252;ck. Wie ist das zu verstehen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Zun&#228;chst ist daran zu erinnern, dass das, was Nietzsche unter &#8218;Bild' versteht, nicht etwa durch die moderne Malerei charakterisiert ist (die moderne Kunst unterl&#228;uft gerade diese gegenst&#228;ndliche Bindung des Sehens), sondern in seiner deutlichsten Form durch jene Visualisierung und Vergegenst&#228;ndlichung, wie sie durch die moderne Wissenschaft betrieben wird. Deren Methodik gr&#252;ndet n&#228;mlich auf einer gewissen Ausschaltung der affektiv empfundenen (und damit unwiederholbaren und unverrechenbaren) Zeit, insofern diese nun in einer gewissen Angleichung an Verh&#228;ltnisse des Raumes als ein ebenso homogenes wie verl&#228;ssliches Zeitkontinuum gedacht wird, in das alle Begebenheiten eingeschleust werden m&#252;ssen, um als empirische Objekte gelten zu k&#246;nnen. Die homogene Linearzeit &#8211; auf den Raum projiziert : die Linie &#8211; basiert darauf, dass die unendlich verschiedenen, in den individuellen Antagonismus von Lust und Unlust verflochtenen &lt;i&gt;qualitativen &lt;/i&gt; Zeitrhythmen in ein quantitatives Schema &#252;bersetzt werden. Das hei&#223;t, ihre innere flirrende &#220;berg&#228;ngigkeit wird im Hinblick auf ein immer schon Beharrendes festgestellt, auf eine Gegebenheit, auf die jederzeit und an jedem Ort zur&#252;ckgegriffen werden kann. Wo das nicht m&#246;glich ist, das hei&#223;t, wo der punktuelle Moment sich nicht im n&#228;chsten auf eine berechenbare Weise fortsetzt, wo die Zukunft nicht durch das dem sichtbaren Raum eingeschriebene Perfekt schon immer &#252;berholt ist, kann es keine Wissenschaft geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im Gegensatz zu dieser geregelten, nach au&#223;en gewendeten Zeit der empirischen Vorstellung ist diejenige Zeit, die Nietzsche mit dem Rhythmus des Leiblichen, dem H&#246;ren und der Musik zusammenbringt, offenbar eine innere, sozusagen auf ihre affektive Natur hin ge&#246;ffnete Zeit. W&#228;hrend die temporale Struktur des Sehens durch die vor-l&#228;ufige Apriorit&#228;t des Perfekts charakterisiert ist, ist eine solche Bindung der inneren, regellosen Natur der Zeit fremd. Als gleichsam in ihre reine Zuk&#252;nftigkeit &#252;berschie&#223;ende greift sie auf kein erstes Beharrliches in sich zur&#252;ck, sondern ist wie die Lust zun&#228;chst nichts als der unabl&#228;ssig sich abl&#246;sende Reiz-nach-vorne, Tendenz auf Mehr. Was bedeutet es aber nun f&#252;r Nietzsche, dass der Rhythmus als die Symbolik des &lt;i&gt;Ohrs &lt;/i&gt; eben keinen solchen apriorischen Punkt vorfindet, sondern diesen selbst je neu und je anders entspringen l&#228;sst ? Was ist mit der Zur&#252;ck&#252;bersetzung der Verh&#228;ltnisse des Raumes in diejenigen der Zeit (und damit der Empfindung) gewonnen ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Denken wir an die eingangs zitierte Unterscheidung Kants zur&#252;ck, wonach das Sehen den Vorrang vor dem H&#246;ren darin haben soll, dass es im Gegensatz zu diesem sich &#8222;am wenigsten affiziert f&#252;hlt&#8220;, weil in ihm das &#8222;Bewu&#223;tsein der Bewegung des Organs&#8220; hinter dem der &#8222;Beziehung auf ein &#228;u&#223;eres Objekt&#8220; (&lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. &#167; 19) zur&#252;cktritt. Das &#8222;Bewu&#223;tsein der Bewegung des Organs&#8220;, das hei&#223;t die F&#228;higkeit, affiziert zu werden, kann so anhaltend hinter der Bezugnahme auf &#228;u&#223;ere Objekte zur&#252;cktreten, dass schlie&#223;lich eine Apathisierung der gesamten Vitalit&#228;t eintritt. Nach Nietzsche befindet sich eben die Moderne im Zustand einer solchen tief greifenden &#8222;Willensl&#228;hmung&#8220; (KSA 5, 138), das hei&#223;t einer &lt;i&gt;Disgregation &lt;/i&gt; jener oben genannten formen- und rhythmenbildenden Kraft, mittels derer es &#252;berhaupt so etwas wie eine menschliche Welt gibt. Sein Versuch, sich vermittelt &#252;ber die Musik auf die Bewegung der Affektion selbst zu richten, und damit den eigent&#252;mlich mit dem Zeitempfinden verflochtenen Sprung, den die Seele leisten muss, &lt;i&gt;um f&#252;r sich selbst wirklich zu werden&lt;/i&gt;, ans Licht zu heben, dient somit einer Aufkl&#228;rung jenes scheinbaren Apriori, das das Auge der Vernunft darstellt. Nur in seinem Gewordensein und damit seiner dunklen Offenheit gegen die Zeit, liegt die M&#246;glichkeit lebendiger Vernunft. Von der Symbolik des Auges unterscheidet demnach die Symbolik f&#252;r das Ohr, dass diese nicht auf Verh&#228;ltnissen der Sichtbarkeit gr&#252;ndet, sondern auf Verh&#228;ltnissen der Zeit, eben auf Rhythmen, und zwar nicht auf logifizierbaren, sondern auf individuell geleisteten und &lt;i&gt;gelebten &lt;/i&gt; Rhythmen. Auf der anderen Seite warnt Nietzsche davor, in der Affektivit&#228;t schlechthin die L&#246;sung gegen die Objektivierungstendenzen des Auges zu finden. Von hier aus soll abschlie&#223;end ein kurzer Blick auf Nietzsches bissige Behauptung geworfen werden, die moderne Musik, also &#8222;unsre Art Rhythmik&#8220;, geh&#246;re &#8222;in die Pathologie&#8220; (KSB 3, 404 f.).&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034; id=&#034;outil_sommaire_2&#034;&gt;&lt;a title=&#034;Sommaire&#034; href='https://www.rhuthmos.eu/spip.php?id_auteur=22&amp;page=backend#outil_sommaire' class=&#034;sommaire_ancre&#034;&gt; &lt;/a&gt;3 &lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Dazu greife ich auf eine etwas l&#228;ngere Notiz Nietzsches aus seiner Sp&#228;tschrift &lt;i&gt;Nietzsche contra Wagner&lt;/i&gt; zur&#252;ck. In einem dieser &#8222;Aktenst&#252;cke eines Psychologen&#8220;, wie es im Untertitel hei&#223;t, schreibt Nietzsche :&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&#8222;Die Absicht, welche die neuere Musik in dem verfolgt, was jetzt, sehr stark, aber undeutlich, &#8218;&lt;i&gt;unendliche &lt;/i&gt; Melodie' genannt wird, kann man sich dadurch klar machen, dass man in's Meer geht, allm&#228;hlich den sicheren Schritt auf dem Grunde verliert und sich endlich dem Element auf Gnade und Ungnade &#252;bergiebt : man soll &lt;i&gt;schwimmen&lt;/i&gt;. In der &#228;lteren Musik musste man, im zierlichen oder feierlichen oder feurigen Hin und Wieder, Schneller und Langsamer, etwas ganz Anderes, n&#228;mlich &lt;i&gt;tanzen&lt;/i&gt;. Das hierzu n&#246;thige Maass, das Einhalten bestimmter gleich wiegender Zeit- und Kraftgrade erzwang von der Seele des H&#246;rers eine fortw&#228;hrende &lt;i&gt;Besonnenheit&lt;/i&gt;, &#8211; [...] &#8211; Richard Wagner wollte [dagegen] eine andre Art Bewegung, &#8211; er warf die physiologische Voraussetzung der bisherigen Musik um. Schwimmen, Schweben &#8211; nicht mehr Gehn, Tanzen&#8230; Vielleicht ist damit das Entscheidende gesagt. Die &#8218;unendliche Melodie' will eben alle Zeit- und Kraft-Ebenm&#228;ssigkeit brechen [...] &#8211;, sie hat ihren Reichthum der Erfindung gerade in dem, was einem &#228;lteren Ohr als rhythmische Paradoxie [...] klingt. Aus einer Nachahmung, aus einer Herrschaft eines solchen Geschmacks entst&#252;nde eine Gefahr f&#252;r die Musik, wie sie gr&#246;&#223;er gar nicht gedacht werden kann &#8211; die vollkommene Entartung des rhythmischen Gef&#252;hls, das Chaos an Stelle des Rhythmus&#8220; (KSA 6, 421 f.).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Die &#8222;physiologische Voraussetzung&#8220; der alten Musik soll also das, einer bestimmten Zusammenordnung der Zeitgrade entspringende &#8222;Maass&#8220; gewesen sein, das in der &#8222;Seele&#8220; des H&#246;rers, wie der Psychologe Nietzsche sagt, eine &#8222;fortw&#228;hrende &lt;i&gt;Besonnenheit&lt;/i&gt;&#8220; erzwang. Die bereits im Spiel der Muskeln und Bewegungen in Erscheinung tretende, an sich ganz offene und &#252;berschie&#223;ende Vitalit&#228;t des Leibes wurde im H&#246;ren der musikalischen Rhythmen geb&#228;ndigt und in Form gebracht &#8211; ein Gedanke, den auch Platon ins Zentrum seines Alterwerkes &lt;i&gt;Nomoi &lt;/i&gt; r&#252;ckt. Die unendlich vielf&#228;ltigen, jedoch in sich zwingend auf die Seele einwirkenden Zeit- oder Bewegungs&lt;i&gt;ordnungen&lt;/i&gt; f&#252;hren n&#228;mlich dazu, dass sich der Mensch auf vielf&#228;ltige, aber in dieser Vielfalt nie beliebige Weise selbst gegenw&#228;rtig werden kann. Eine solche Vergegenw&#228;rtigung seiner selbst l&#228;sst sich als Ethos verstehen, als Haltung, als verk&#246;rperte, in der Besonnenheit, die keine wissenschaftliche, sondern eine &lt;i&gt;ethische &lt;/i&gt; Kategorie darstellt, wurzelnde Lebendigkeit. Der Mensch wird sich hier nicht als Subjekt, das den Dingen unber&#252;hrt gegen&#252;ber steht, gegenw&#228;rtig, das hei&#223;t mittels eines von seiner Leiblichkeit und Affektivit&#228;t losgel&#246;sten Auges der Vernunft, sondern als ein lebendiger, jedoch in dieser Lebendigkeit endlicher Zusammenhang von Rhythmen, mit anderen Worten : im sinnlichen Zusammenspiel von einander erg&#228;nzenden und korrigierenden Lebensformen. Es ist diese lebendige &lt;i&gt;Endlichkeit&lt;/i&gt;, die Nietzsche gegen die Musik Wagners geltend macht. Die ununterbrochene, endlose Melodie, die die Seele nicht gehen und tanzen l&#228;sst, sondern der verflie&#223;enden Indifferenz des Ozeans &#252;bergibt, ist deshalb die &#8222;gr&#246;&#223;te Gefahr&#8220;, weil sie die tiefe, gleicherma&#223;en sch&#246;pferische wie verw&#252;stende Chaotik unserer &#252;berschie&#223;enden Affektivit&#228;t verkennt, und glaubt, im Affekt selbst, im irgendwie wogenden Gef&#252;hl, l&#228;ge bereits eine lebbare Alternative zum sezierenden Auge der Vernunft. So fasst der Philosoph Nietzsche f&#252;r seine Auffassung der Musik zusammen : &#8222;Von meiner Musik will ich nur eins, dass ich damit &lt;i&gt;Herr &lt;/i&gt; &#252;ber eine Stimmung werde, die, ungestillt, vielleicht sch&#228;dlicher ist&#8220; (KSB 4, 77).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Ohne auf das komplizierte Verh&#228;ltnis von Wagner und Nietzsche n&#228;her einzugehen, l&#228;sst sich zusammenfassend sagen, dass das Leben &#8222;ohne Musik&#8220; f&#252;r Nietzsche offenbar in zweifacher Hinsicht einen &#8222;Irrthum&#8220; darstellt. Es ist einerseits Irrtum, wenn allein die objektivierende T&#228;tigkeit des Auges als Ma&#223;stab einer artikulierten Welt gelten soll. Dies ist der Irrtum der heute auf einen mikrobiotischen Materialismus zustrebenden Wissenschaft, die zuletzt dazu &#252;bergeht, auch das Subjekt, genauer den Menschen, ihren progressiven Objektivierungsprozessen zu unterwerfen, das hei&#223;t einer atomaren Apriorit&#228;t, die ihm, insofern sie seine innere, &#8222;erzitternde&#8220; Lebendigkeit verleugnet, nur in einem ver&#228;u&#223;erten Sinne entspricht. Es ist andererseits Irrtum, sofern das unendliche, &lt;i&gt;abgr&#252;ndig &lt;/i&gt; unendliche Str&#246;men der Stimmungen, Gef&#252;hle und Affekte dazu im Grunde keinen Gegenpol darstellt, sondern der wissenschaftlichen Verfl&#252;ssigung der artikulierten Welt in eine einf&#246;rmige Bewegung nach vorn sogar auf merkw&#252;rdige Weise entspricht.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. hierzu von der Verf. : &#220;berw&#228;ltigte Natur. &#220;berlegungen zum Gesicht des (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2-5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Beiden Irrt&#252;mern ist zu eigen, dass sie die tiefere Ber&#252;hrung durch den Widerstand, &lt;i&gt;der zu einem Anfang wie zu einem Ende gleicherma&#223;en zwingt&lt;/i&gt;, f&#252;r das Leben ausschalten m&#246;chten. Das Streben nach unendlicher Fortsetzung seiner selbst, ob als Alleinherrschaft des Auges oder als Alleinherrschaft des Gef&#252;hls, ist jedoch, darin ist sich Nietzsche mit Kant einig, zur Indifferenz verurteilt.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb2-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Friedrich Nietzsche : &lt;i&gt;S&#228;mtliche Briefe. Kritische Studienausgabe&lt;/i&gt;, hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Band 8, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 172 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel KSB mit Seitenangabe).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2-2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Vgl. Friedrich Nietzsche : Nietzsche contra Wagner, in : &lt;i&gt;Kritische Studienausgabe&lt;/i&gt;, hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Band 6, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 1988, S. 418 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel KSA mit Seitenangabe).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2-3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Immanuel Kant : &lt;i&gt;Anthropologie in pragmatischer Hinsicht&lt;/i&gt;, hg. von Reinhard Brandt, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2000, &#167; 19 (im Flie&#223;text zitiert unter dem K&#252;rzel &lt;i&gt;Anthropol&lt;/i&gt;. mit Paragraphenangabe) ; vgl. Aristoteles : &#8222;Das Sehen ist die Wahrnehmung im h&#246;chsten Ma&#223;e&#8220; (&lt;i&gt;De anima &lt;/i&gt; 429 a).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2-4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;In Nietzsches ber&#252;hmtem Fragment &lt;i&gt;&#220;ber Wahrheit und L&#252;ge im aussermoralischen Sinne &lt;/i&gt; ist von dem wirklich abgr&#252;ndigen &#220;bersprung die Rede, der vollzogen werden muss, damit wir auf einen Boden gelangen, auf dem &#252;berhaupt Etwas f&#252;r uns sein kann : &#8222;Ein Nervenreiz zuerst &#252;bertragen in ein Bild ! erste Metapher. Das Bild wieder nachgeformt in einem Laut ! Zweite Metapher. Und jedesmal vollst&#228;ndiges Ueberspringen der Sph&#228;re, mitten hinein in eine ganz andere und neue&#8220; (KSA 1, 879).&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2-5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2-5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 2-5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Vgl. hierzu von der Verf. : &#220;berw&#228;ltigte Natur. &#220;berlegungen zum Gesicht des Nihilismus im Anschlu&#223; an Nietzsche, in : &lt;i&gt;Ph&#228;nomenologie und Gewalt&lt;/i&gt;, hg. von Harun Maye und Hans Rainer Sepp, W&#252;rzburg 2005, S. 64-81.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="fr">
		<title>Rhythmus. Zum Wesen der Sprache bei Heidegger
</title>
		<link>https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article153</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.rhuthmos.eu/spip.php?article153</guid>
		<dc:date>2010-07-23T15:32:30Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>fr</dc:language>
		<dc:creator>Cathrin Nielsen
</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;ZUSAMMENFASSUNG : Einer Bestimmung Martin Heideggers zufolge ist die Sprache das &#8220;Haus des Seins&#8221;. Die Sprache erm&#246;glicht nicht nur den menschlichen Weltaufenthalt, sondern gibt zugleich Aufschlu&#223; &#252;ber das Wie des Wohnens. Das Wie ist als Rhythmus erstes Zeitma&#223;, und die Gliederung des Sprechens verweist somit in die Gliederung der Zeit. In Anlehnung an den Musikwissenschaftler Thrasybulos Georgiades werden die zwei f&#252;r das Abendland zentralen Auspr&#228;gungen der Sprache als Zeitgliederung (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.rhuthmos.eu/spip.php?rubrique25" rel="directory"&gt;Philosophie &#8211; Nouvel article
&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;ZUSAMMENFASSUNG : Einer Bestimmung Martin Heideggers zufolge ist
die Sprache das &#8220;Haus des Seins&#8221;. Die Sprache erm&#246;glicht nicht nur den
menschlichen Weltaufenthalt, sondern gibt zugleich Aufschlu&#223; &#252;ber das Wie des Wohnens. Das Wie ist als Rhythmus erstes Zeitma&#223;, und die Gliederung des Sprechens verweist somit in die Gliederung der Zeit. In Anlehnung an den Musikwissenschaftler Thrasybulos Georgiades werden die zwei f&#252;r das Abendland zentralen Auspr&#228;gungen der Sprache als Zeitgliederung n&#228;her verfolgt : der archaische Quantit&#228;tsrhythmus, der in einer &#8220;erf&#252;llten Zeit&#8221; gr&#252;ndet, sowie die Betonungsrhythmik, mit der das arythmische Prinzip des Z&#228;hlens in den Vordergrund tritt. Das Prinzip der &#8220;leeren Zeit&#8221; ist heute die umfassende Weltwirklichkeit. Ihm entspricht die Verfassung der Sprache (logos) als Logistik, Kybernetik und Informationstechnologie. Heideggers Name f&#252;r diese Wirklichkeit ist das &#8220;Gestell&#8221;. In ihm herrscht das Metrum reiner Prozessualit&#228;t. Im Zusammenhang dieser Einsicht wird die Frage nach dem Rhythmus neu gestellt. Es geht um das Wohnenk&#246;nnen (ethos) im Zeitalter des sich unaufh&#246;rlich verzehrenden Prozesses, und das hei&#223;t um die Frage nach der geschichtlichen Dimension des Rhythmischen als erstem Zeitma&#223;.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;i&gt;STICHWORTE : Rhythmus, Sprache, Zeit, Ethos, Ma&#223;, Gestell.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&#8220;Der Wind war erregt, neu,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;mild, und alles stieg auf :&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ger&#252;che, Rufe, Glocken&#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(Rilke)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;i&gt;ABSTRACT : According to Martin Heidegger language is the &#8220;house of Being&#8221;. It is the language that allows us to be in the world, and at the same time it is the language which throws light upon &lt;i&gt;how &lt;/i&gt; we are there. The air of Being is called with the ancient Greek &lt;i&gt;rhythmos &lt;/i&gt; as a first measurement of time, and thus the articulation of our speech points out the articulation of time. With reference to the musicologist Thrasybulos Georgiades the two formations of language will be shown as articulations of time that are most decisive for the Occident : the archaic rhythm of quantity which originates from a &#8220;filled time&#8221;, and the rhythm of accentuation that belongs to the arythmic principle of counting. The counting-principle of &#8220;empty time&#8221; is the allincluding reality (truth) of the present world. Heidegger calls it the &#8220;Gestell&#8221;. In this connection we have to repeat the question about the &lt;i&gt;rhythmos&lt;/i&gt;. The problem of Being in an epoch of an all dragging away processuality means nothing else than the question about the historical dimension of &lt;i&gt;rhythmos &lt;/i&gt; as a first measure of time. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;i&gt;KEYWORDS : Rhythm ; language ; time ; ethos ; measure ; Gestell &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
&lt;BR/&gt;
&#8220;Die Sprache ist das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der
Mensch.&#8221;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Martin Heidegger, &#220;ber den Humanismus, Frankfurt/M. 1991, 5. Die Werke (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3-1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; So lautet das ber&#252;hmte Diktum, mit dem Heidegger seinen Brief &#220;ber den Humanismus er&#246;ffnet. Die Behausung der Sprache ist nicht vom Haushaften her vorzustellen, vom Haus als einem fertigen Wohnding, in das wir einfach einziehen. Sondern das Haushafte bestimmt sich aus dem Wohnen, das Wohnen aber vom horchend-nennenden Fundament des Wortes her. Dieses schwingende Fundament des Hauses durchstimmt und durchherrscht seine R&#228;ume. Alles, was darin zum Vorschein kommt, kommt aus der Sph&#228;re des Wortes, genauer : der Sph&#228;re des dichterischen Wortes. Der Ort des Wohnens oder das ---- des Menschen geh&#246;rt in das Wort. Dichterisch wohnet der Mensch, hei&#223;t es bei H&#246;lderlin.&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
In einem Text aus dem Jahre 1960, &lt;i&gt;Sprache und Heimat&lt;/i&gt;, schreibt Heidegger, das &#8220;urspr&#252;nglich und eigentlich Stimmende&#8221; der Dichtung seien das &#8220;Klingen und Schwingen des Sagens&#8221;, n&#228;mlich &#8220;Melodie und Rhythmus&#8221; (DE 91). Und Rhythmus, so hei&#223;t es an einer anderen Stelle, meint &#8220;nicht Flu&#223; und Flie&#223;en, sondern F&#252;gung&#8221; (USpr 230). Bis auf zwei weitere, kurze Bemerkungen, auf die ich sp&#228;ter zu sprechen kommen werde, ist das alles, was man bei Heidegger zum Rhythmus findet. Durchbricht man jedoch die Oberfl&#228;che eines blo&#223; rechnerischen Vorkommens, st&#246;&#223;t man auf eine reiche, verwickelte und nie wirklich abgeschlossene Auseinandersetzung mit dem insbesondere das Sprachgeschehen bestimmenden Rhythmischen. Was ist das aber, das Rhythmische, das Bindende und Ruhe-Verleihende, und wo spielt es im Denken Heideggers eine wenn auch zun&#228;chst verborgene Rolle ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
Im folgenden m&#246;chte ich diesen Fragen in drei Hinsichten etwas genauer nachgehen. Zun&#228;chst sollen im Anschlu&#223; an den M&#252;nchner Musikwissenschaftler Thrasybulos Georgiades die zwei f&#252;r unseren heutigen Weltort zentralen Auspr&#228;gungen der Sprache als Rhythmus n&#228;her verfolgt werden. [...]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;BR/&gt;
La suite &lt;a href='https://www.rhuthmos.eu/IMG/pdf/Rhythmos_Heidegger_2003_Clanci_Nielsen.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;ici&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb3-1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmla&#034;&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3-1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Notes 3-1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&lt;span class=&#034;csfoo htmlb&#034;&gt;&lt;/span&gt;Martin Heidegger, &lt;i&gt;&#220;ber den Humanismus&lt;/i&gt;, Frankfurt/M. 1991, 5. Die Werke Heideggers werden nach folgenden Siglen zitiert : &lt;i&gt;Denkerfahrungen&lt;/i&gt;, Frankfurt/M. 1983 (DE), &lt;i&gt;&#220;ber den Humanismus&lt;/i&gt;,
Frankfurt/ Main 1991 (Hum) ; &lt;i&gt;Der Satz vom Grund&lt;/i&gt;, Pfullingen 1957 (SvGr) ; &lt;i&gt;Unterwegs zur Sprache&lt;/i&gt;, Pfullingen 1990 (USpr) ; &lt;i&gt;Vortr&#228;ge und Aufs&#228;tze&lt;/i&gt;, Pfullingen 1990 (VA) ; &lt;i&gt;Was hei&#223;t Denken ?&lt;/i&gt; T&#252;bingen 1984 (WhD) ; &lt;i&gt;Wegmarken&lt;/i&gt;, Frankfurt/M. 1978 (WM) ; &lt;i&gt;Was ist das &#8211; die Philosophie ?&lt;/i&gt; Pfullingen 1988 (WiPh ?) ; die B&#228;nde der Gesamtausgabe werden mit GA, Band und Seitenzahl zitiert.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.rhuthmos.eu/IMG/pdf/Rhythmos_Heidegger_2003_Clanci_Nielsen.pdf" length="132644" type="application/pdf" />
		

	</item>



</channel>

</rss>
